Sorgen nach neuen Schafrissen

von Redaktion

Ein halbes Jahr ist es her, dass das Landesamt für Umwelt (LfU) im Berchtesgadener Land einen Wolfsriss an einem Wildtier bestätigt hat. In der Nacht auf Freitag wurden in Neukirchen am Teisenberg wieder zwei Schafe gerissen. Die Aufklärung wird noch einige Zeit dauern.

Teisendorf – „Mutmaßlich war es ein Wolf“, erklärt die Wolfsbeauftragte des Kreisbauernverbandes im Berchtesgadener Land Gabi Thanbichler gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Doch auch für sie ist es ohne Analysen schwer, eine klare Aussage zu treffen.

„Die meisten Tiere waren über den Winter eingesperrt, jetzt gehen sie wieder auf die Weide.“ War der Wolf also eigentlich nie weg? „Sichtungen und Spuren hat es immer wieder gegeben“, weiß Thanbichler. Ob die alle dem LfU gemeldet wurden, ist ihr nicht bekannt.

Johannes und Monika Kraxenester haben den Riss ihrer beiden Schafe gemeldet. „Die zwei sind Tag und Nacht draußen. Wir haben sie seit elf Jahren, und es ist nie etwas passiert.“ Bis zum vergangenen Freitag. Als Monika gegen Mitternacht nach Hause kommt, ist am Hof in Neukirchen am Teisenberg noch alles in Ordnung. „In der Früh haben wir die beiden dann gefunden. Ein Schaf war noch warm.“ Lang konnte der Riss also nicht her sein. Für die Landwirte vor allem erschreckend: „Die Weide ist 30 Meter vom Haus weg, das ist schon bedrohlich.“

Elf Jahre lang
ist nichts passiert

Gabi Thanbichler bestätigt, dass die Angst um ihre Tiere die Landwirte weiter umtreibt. „Es ist die Zeit, in der ausgetrieben wird. Irgendwann müssen die Tiere auf die Weide.“ So auch bei den Kraxenesters. Vorerst werden sie auf das Ergebnis der DNA-Analyse des LfU warten. Am Freitagnachmittag konnten Proben genommen und Spuren gesichert werden. „Es spricht alles für einen großen Caniden. Mehr konnten die Verantwortlichen vor Ort noch nicht sagen“, bestätigt Thanbichler. Sie kann den Bauern derzeit nur raten, „in der Nacht einzustallen“.

Weide ist nur 30 Meter vom Haus weg

Seit die Wolfsnachweise in der Region zunehmen, kocht auch die Stimmung immer wieder hoch. Die einen fordern die Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfes, die anderen wollen dem Tier eine Ansiedlung ermöglichen. Die neun Mitgliedsgemeinden des Ökomodell Achental e.V. haben deshalb eine gemeinsame Resolution zum Thema Wolf verfasst. Ziel ist es, die Dringlichkeit und Notwendigkeit für einen sachlichen Umgang mit dem Thema Wolf zu verdeutlichen und die Politik zum Handeln aufzufordern.

Die Dringlichkeit ist nach den jüngsten Vorkommnissen am Teisenberg durchaus gegeben. Im Falle des in Rosenheim nachgewiesenen Bären hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber schon erste Aussagen getroffen. „Im Ernstfall kommen alle Maßnahmen in Betracht“, betonte der Freie-Wähler-Politiker am Donnerstag in München. Der Sachverhalt müsse jetzt fachlich genau aufgeklärt und die Lage vor Ort engmaschig beobachtet werden.

Was den möglichen Wolfsriss am Teisenberg betrifft, rechnet Gabi Thanbichler nicht vor Ende April mit einem Ergebnis der fachlichen Analyse.

Freistaat Bayern gleicht Schäden aus

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) rät allen Nutztierhaltern der Regionen, ihre Tiere vor Übergriffen zum Beispiel mit einer wolfsabweisenden Zäunung zu schützen. Schäden, die Nutztierhaltern durch Wolfsrisse entstehen, werden durch den Freistaat Bayern ausgeglichen.

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