An einer Pfarrhaustür in der Innenstadt läuten im Laufe eines Tages sehr viele Menschen. Sie klingeln dort mit ganz unterschiedlichen Anliegen. Wenn ich allein im Pfarrhaus bin, muss ich mir gut überlegen, wen ich dann wirklich hereinlasse. Durch meine unbefangene Vorstellung, jedem Menschen helfen zu wollen, bin ich am Beginn meiner Berufslaufbahn als Seelsorgerin tatsächlich in eine brenzlige Situation geraten, aus der mich die zufällig eintreffende Putzfrau wieder herausgeholt hat. Wenn ich mich heute also nicht sicher fühle, führe ich das Gespräch mit einem fremden Ratsuchenden lieber doch erst einmal nur freundlich an der Haustür. Jeder ist willkommen, und dann sehen wir weiter.
Auf unserem persönlichen Lebensweg lassen wir auch nicht alle Menschen sofort „mit der Türe ins Haus“ fallen und jeder von uns braucht vor allem im eigenen Herzen einen geschützten Bereich, zu dem nicht jeder Zutritt haben kann. Türen schenken uns nicht nur Zugänge zu Häusern, sondern auch zu den Menschen und ihren Erlebnissen. Bei allen Enttäuschungen und schwierigen Erfahrungen ist es für mich immer wieder erfüllend, im Pfarrhaus ein „Türöffner“ sein zu dürfen. Ein Türöffner nicht nur für unsere grüne Pfarrhaustüre, sondern auch für die Nöte und Sorgen der Menschen. Manchmal können wir im Seelsorgegespräch gemeinsam etwas aufschließen. Im Evangelium vom kommenden Sonntag sagt Jesus den rätselhaften Satz: „Ich bin die Tür.“ Genau in dieser Nachfolge verstehe ich unsere Arbeit, denn „Er“ ist letztlich der große Türöffner zu einem Leben in Fülle.