Nur noch Stopp statt Go im Inntal

von Redaktion

Erneut sorgte die Blockabfertigung an der Grenze für massive Rückstaus. Bis 10 Uhr kontrollierten die österreichischen Behörden die Anzahl der einreisenden Lkw. Der dadurch entstandene Stau löste sich nur langsam auf. Es ist ein mittlerweile traurig vertrautes Bild und es folgen noch viele weitere Termine.

Kiefersfelden – „In Kürze werden wir versuchen, auch auf der A8 wieder Bewegung in den Verkehr zu bringen“, sagt Einsatzleiter Andreas Maurer von der Verkehrspolizeiinspektion Rosenheim in Raubling um kurz nach halb elf am Mittwochvormittag. Um 10 Uhr hatten die österreichischen Behörden die Dosierungen der Lkw an der Grenze bei Kiefersfelden beendet. Bis der Verkehr wieder normal fließt, dauert es. Der Stau, den die Maßnahme am Mittwoch erzeugte, erreichte eine Länge von bis zu 53 Kilometern. Auch Autofahrer waren massiv betroffen.

Traurige
Gewohnheit

Stau an Tagen der Blockabfertigung ist zur traurigen Gewohnheit geworden. Die Länge ist aber dennoch außergewöhnlich. Grund dafür ist unter anderem der italienische Nationalfeiertag am Dienstag. Tirol hat deswegen ein Lkw-Fahrverbot erlassen. Lastwagen wurden an der Grenze abgewiesen und mussten auf der bayerischen Seite warten. Die Parkplätze seien laut der Polizei komplett überlastet gewesen. Zu Beginn der Maßnahme um 5 Uhr früh durften nur 100 Lastwagen pro Stunde die Grenze passieren. Bis Ende der Maßnahme um 10 Uhr erfolgte eine Erhöhung auf 250 Lkw pro Stunde. Nicht nur auf der Inntalautobahn kam es erneut zu massiven Verkehrsbehinderungen, auch auf der A8 in Richtung Salzburg staute es sich zwischen Weyarn und Rosenheim-West auf einer Länge von gut 20 Kilometern. In Richtung München erreichte der Stau zwischen Achenmühle und dem Inntaldreieck eine Länge von mehr als vier Kilometern. Es kam zu Verzögerungen von bis zu zwei Stunden.  Auch die Straßen entlang der Autobahn waren teils massiv betroffen. Auch auf den umliegenden Bundesstraßen kam es zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Ein aufgebrachter Autofahrer sagte gegenüber rosenheim24: „Es is da Deife los!“

Um zu vermeiden, dass die Lkw den Stau auf den Landstraßen umfahren, will Bayern an den Tagen der Blockabfertigung weiter an den Lkw-Straßensperren festhalten. Um die Menschen im Inntal vom Ausweichverkehr zu entlasten, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). „Die Sperren auf den Straßen jenseits der Autobahn für den Transit-Schwerlastverkehr und die Kontrolle durch die Polizei haben sich bewährt.“

Raubling ist ein Ort, der oft vom Ausweichverkehr betroffen ist. Diesmal kam die Gemeinde aber trotz des langen Staus relativ glimpflich davon. „Wir hatten viel Verkehr, aber keinen stehenden Verkehr“, berichtet Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger. Es gab dort keine Probleme auf den Straßen. Trotzdem sei es „nervig für die Anwohner, weil das am Donnerstag ja schon wieder geplant ist“. Die Kontrollen durch die Polizei würden laut ihm aber helfen, „früher war es viel schlimmer”.

„Bei uns in Brannenburg war es heute eigentlich nicht so schlimm“, sagt Bürgermeister Matthias Jokisch dem OVB. Auf der Landstraße habe es wegen der Lkw, die auf die Autobahn wollten, einen Stau gegeben. Die Polizei habe, um den Verkehr einigermaßen am Laufen zu halten, einige Lkw durch die Gemeinde fahren lassen. „In Ausnahmefällen macht die Polizei das – und hatte heute ein gutes Augenmaß dafür. Wir in den Orten an der Autobahn sind hierfür sehr dankbar“, sagt Jokisch.

Stehende Fahrzeuge über viele, viele Kilometer hinweg. Es ist ein mittlerweile vertrautes Bild an Tagen der Blockabfertigung. Und es ist ein Bild, das die Bürger der Region in den kommenden Wochen und Monaten noch öfter sehen werden. Alleine im Mai sind neun weitere Termine für die Blockabfertigung geplant, darunter Dienstag, 2. Mai, der Tag nach dem Maifeiertag, Freitag, 19. Mai, der Tag nach Christi Himmelfahrt, und ab Dienstag, 30. Mai, nahezu die kompletten Pfingstferien. Für das zweite Halbjahr sind weitere 16 Termine geplant. Ein Ende der Maßnahmen ist noch nicht in Sicht. Vor zwei Wochen trafen sich die Regierungschefs der drei betroffenen Regionen, Ministerpräsident Markus Söder für Bayern und die Landeshauptmänner Anton Mattle aus Tirol und Arno Kompatscher aus Südtirol, in Kufstein.

Ziel ist Gespräch
statt Streit

Die drei besprachen ein mögliches Slot-System, mit dem die Blockabfertigungen ersetzt werden könnten. „Das Wichtigste ist vielleicht, dass wir wieder miteinander reden. Unser Ziel ist: Gespräch statt Streit“, sagte Söder damals. Ein baldiges Ende sieht Olaf Kalsperger derweil nicht.  „Ob das wirklich im großen Stil funktioniert, dafür fehlt mir derzeit die Fantasie“, sagt er. Ein funktionierendes Slot-System sei ein „frommer Wunsch“.  Wann und ob damit der Blockabfertigung wirklich ein Ende gesetzt werden kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen.

Termine der Blockabfertigung :

Artikel 4 von 11