Interessengemeinschaft unternimmt Kriegsgräberreise

von Redaktion

600 Männer und Frauen besuchen die Kriegsopfer-Gedenkstätte in Cheb/Eger in Westböhmen

Landkreis – „Wir stehen hier in Cheb/Eger nachdenklich an den Soldaten- und Kriegergräbern, wir haben die Kraft auch noch fast 80 Jahre nach dem Krieg an diesen Gräbern für diese vielen Toten zu beten und gedenken auch derer, die heute in der Ukraine bei diesem vom Zaun gebrochenen Krieg sterben müssen“, so der Obmann der Interessengemeinschaft (IG) der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim, Pius Graf, bei der Gedenkstunde in der Gedenkstätte Cheb/Eger in Westböhmen.

„Wir heißen alle Gäste aus Bayern hier bei uns ganz herzlich willkommen“, so der Zweite Bürgermeister der Stadt Cheb Michael, Pospischil. Er sagte, dass sie gemeinsam der Toten aus dem letzten großen Krieg, die aus der Region und von den Lazarettfriedhöfen der Kur- und Badeorte hierher überführt wurden sowie der verstorbenen Zivilisten, gedenken wollen. Was allen bleibe, sei die Trauer sowie das Gedenken an die Opfer des unseligen Krieges, der seit über einem Jahr in Europa tobt.

Die Blaskapelle Niklasreuth und die Fahnenabordnungen einiger Vereine der IG Rosenheim gaben der Gedenkstunde eine besondere Note. Prälat Günther Lipok zelebrierte mit Pfarrer Libor Bucek aus Eger einen Wortgottesdienst.

Obmann Graf mahnte: „Wenn die Generation der Kriegsteilnehmer und aller, die unmittelbar betroffen waren, in den nächsten Jahren abtreten, dann ist es die Aufgabe unseres Verbandes das Gedenken zu bewahren.“ Zu den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden und der beiden Nationalhymnen legten Bürgermeister Pospischil, der Ehrenvorsitzende des Volksbundes Bezirk Oberbayern, Heinrich Rehberg, sowie Graf einen Kranz am Hochkreuz nieder.

In der Kriegsgräberstätte Cheb/Eger sind 6004 deutsche Tote aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit 2008 im gesamten Gebiet der Tschechischen Republik bergen konnte. Zusätzlich ruhen dort auch die Gebeine vieler ziviler Kriegstoter, die nach Kriegsende durch Flucht und Vertreibung ihr Leben verloren. Die ersten Toten wurden 2008 auf dem Areal der heutigen Kriegsgräberstätte bestattet. 2010 wurde die Anlage auf dem städtischen Friedhof der Öffentlichkeit übergeben. Die Stadt Cheb liegt an der tschechisch-deutschen Grenze, etwa 170 Kilometer westlich der Hauptstadt Prag.

Die Namen und Lebensdaten der vom Volksbund identifizierten Toten sind auf Grabkreuzen verzeichnet. Sie erinnern auf der Vorder- und Rückseite an jeweils vier Tote. Zusätzlich liegen im Ausstellungsraum in der Friedhofsverwaltung Namenbücher, die alle deutschen Kriegsopfer auflisten, die im Gebiet der Tschechischen Republik ihr Leben verloren oder dort als vermisst gelten. Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung sammelten spontan für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Spenden, die Graf unmittelbar an Rehberg weitergab.

Mit zwölf Bussen fuhren die Veteranen aus dem ganzen Landkreis Rosenheim mit knapp 600 Männern und Frauen in die Tschechische Republik, weit über 90 Jahre war die Älteste, knapp 22 der Jüngste. Die Reise ging von Rosenheim ins Quartier nach Prag und in die böhmischen Kur- und Badeorte Karlsbad und Marienbad. Neben Spaziergängen in den Kuranlagen von Marienbad und Karlsbad, einer Stadtbesichtigung von Prag sowie einer Fahrt quer durch Westböhmen war der Besuch der Kriegsgräberstätte der Höhepunkt der Reise. reh

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