Bei der Generalprobe vor der Erstkommunion endet der feierliche Einzug der Kommunionkinder in die Kirche zunächst in einem Fiasko. Die Buben rangeln übermütig mit den Ellenbogen, zwei Mädels steigen sich gegenseitig auf die geblümten Gummistiefel. Also das Ganze von vorne! Vorher aber versuche ich den Kindern den Ernst der Lage, besser ausgedrückt die besondere Würde dieses Anlasses, noch einmal zu erklären. Da kommt die Mesnerin hinzu und motiviert die Kinder, doch einmal „wie Königinnen und Könige zu einer Krönung zu schreiten.“ Nun klappt es tatsächlich viel besser! Wenn am Samstag in London der neue König gekrönt wird, erscheinen uns die Traditionen der Engländer vielleicht fremd. Mit Charles III. besteigt aber ein sehr einfacher Mann den Thron, der erst nach kläglichem Scheitern in zweiter Ehe glücklich geworden ist und sich immer wieder bemüht, zwischen seinen zerstrittenen Söhnen zu vermitteln. Das macht ihn so menschlich und deutlich, dass seine Fehlbarkeit und Grenzen durchaus mit der „Königswürde“ zu vereinbaren sind. Das Leben und wir Menschen sind nicht perfekt. Bei der Taufe salben wir jeden Täufling bewusst auch zu einem König oder zu einer Königin. Eine Würde, die Gott jedem Menschen zuspricht und die wir deshalb auch in jedem Einzelnen zu achten haben. Jesus sagt zu Pilatus: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Am Tag der Erstkommunion haben die Kinder das dann auch tief verinnerlicht. Nicht auf eine Show und allein auf eine feierliche Prozession kommt es an, sondern dass wir Gottes Liebe in uns tragen.