Rosenheim – Seit dem 1. Mai ist das lang erwartete Deutschlandticket gültig. Schon im Vorverkauf sicherten sich mehr als 750000 Menschen das Ticket für 49 Euro im Monat. Für die kommenden Wochen rechnet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV mit bis zu sechs Millionen neuen Abonnenten.
Die große Nachfrage zog aber auch Probleme nach sich. Am 1. Mai war die Anfrage nach dem neuen Ticket dermaßen hoch, dass die Server der Deutschen Bahn teilweise lahmgelegt wurden. In der Folge mussten die Kunden lange warten. Mittlerweile hat sich die Nachfrage etwas beruhigt, das Deutschlandticket kann wieder gebucht werden, auch wenn es nach wie vor zu Störungen kommen kann.
Lange Schlangen
an den Verkaufsstellen
Nicht alle kaufen ihr Ticket online. Es ist auch als analoge Version an den Ticket-Schaltern zu bekommen. Aber auch dort kam es zum Verkaufsstart zu massiven Problemen. „Ich bin gestern extra mit dem Bus nach Rosenheim gefahren, weil ich mir ein Ticket kaufen wollte“, erzählt Inge G. aus Raubling. Sie ist Rentnerin und möchte das Ticket nutzen, um ihre Kinder und Enkel zu besuchen. „Ich hab mich angestellt und als ich dran kam, hieß es, dass der ganze Server zusammengebrochen ist und dass keine Tickets verkauft werden können. Wenn ich Lust hab, könnte ich morgen noch mal wiederkommen.“ Auch andere, die gerne ein Ticket gehabt hätten, mussten wieder gehen, berichtet sie. Sie geht nicht davon aus, dass das in den kommenden Tagen mit ihrem Deutschlandticket klappen wird. „Ich kann es mir nicht leisten, jeden Tag nach Rosenheim zu fahren und zu hoffen, dass es ein Ticket gibt.“ Sie will sich nun für Juni ein Ticket kaufen.
Die BRB bietet das Deutschlandticket als reine Handy-Lösung als Onlineticket an. Hier kam es zum Start noch zu Verzögerungen, weil die Tickets teilweise in der App noch nicht angezeigt wurden. „Besonders die Spontankäufer mussten noch ein wenig warten, bis es angezeigt wurde“, sagt eine Sprecherin der BRB auf OVB-Anfragen. „Mittlerweile ist es uns aber gelungen, alle mit dem Ticket zu versorgen. Jetzt sollten alle ihr Ticket haben, die das auch bestellt haben.“ In der Zwischenzeit sehe es gut aus, der Verkauf und die App liefen stabil. Man sei bei der BRB optimistisch.
Mit dem neuen Deutschlandticket wird die Nutzung des ÖPNV wesentlich einfacher. Die Fahrgäste müssen sich nicht mehr um Tarifzonen kümmern, auch die Art des Verkehrsmittels ist frei wählbar. Und das bundesweit.
Deutlich mehr
Fahrgäste erwartet
„Mittelfristig erwarten wir dadurch auch mehr Fahrgäste“, sagt Oliver Kirchner, der Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft RoVG. „Generell halte ich das Ticket für eine gute Sache, da es für die Kunden einfacher wird. Der Preis ist für das, was dem Kunden geboten wird, absolut gerechtfertigt.“ Allerdings sei das Ticket für die Verkehrsbetriebe hinsichtlich der Betriebskosten keinesfalls kostendeckend. „Hier wird sich aus meiner Sicht der Bund, der die Einführung dieser Fahrkarte ja initiiert hat, finanziell noch wesentlich stärker einbringen müssen“, so Kirchner.
Die absehbar in Zukunft höhere Zahl an Fahrgästen werde sich aber im Laufe der Zeit einpendeln, da ist sich die Sprecherin der BRB sicher. Weil es ein Abo ist, ist „die Zielgruppe eher die Pendler und Mehrfahrer und nicht die Ausflugsfahrer.“ Man rechne dort aber trotzdem damit, dass in der Ferien- und Urlaubszeit einige Menschen für nur ein, zwei Monate ein Ticket kaufen werden.
Das Deutschlandticket richtet sich mit seinem Abo-Modell primär an Vielfahrer und Pendler. Besonders in den kommenden Sommermonaten werden aber wohl auch viele Menschen auf das Ticket zurückgreifen und mit dem Zug in den Urlaub fahren. „Wir rechnen schon damit, da wir ja durch einige Ausflugsregionen fahren und gerade in der Ferien- und Urlaubszeit einige Menschen für nur ein, zwei Monate ein Ticket kaufen werden“, heißt es von der BRB.
Tourismusverband
passt Ausflugtipps an
Der Chiemsee-Alpenland Tourismusverband (CAT) mit Sitz in Bernau am Chiemsee hat auch schon reagiert und Ausflugstipps für Touristen in der Region zusammengestellt, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Man setzt dort auf einen nachhaltigen Tourismus, der mit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gefördert wird. „Nachhaltiger Urlaub ist so wichtig wie nie zuvor, um auch zukünftigen Generationen eine intakte Natur, authentisches Brauchtum und regionale Produkte bieten zu können“, heißt es dort. „Aber auch während des Urlaubs beraten wir die Gäste, das Auto auch einmal stehen zu lassen und die vielen Angebote im Chiemsee-Alpenland zu nutzen“, sagte Christina Pfaffinger, die Geschäftsführerin des CAT.
In der Hoffnung, dass sich bis zum Start der Urlaubssaison die Probleme mit den Tickets gelöst haben.