Bange Stunden am Hochfelln

von Redaktion

Ein Gleitschirmflieger hatte sich in den Seilen der Hochfelln-Bergbahn verfangen, hing bis spät in die Nacht fest.Christoph Mitterer von der Bergwacht Bergen war bei dem spektakulären Einsatz mit dabei und berichtet im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen über bange Stunden am Berg.

Bergen – „Das erlebt man auch nicht jeden Tag!“, ist Christoph Mitterer zu Beginn des Gesprächs immer noch fassungslos über den spektakulären Einsatz, der bis in die frühen Morgenstunden des Freitags andauerte. Ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Altötting war am Donnerstagnachmittag vom Hochfelln herab mit seinem Gleitschirm unterwegs gewesen – und hatte sich in den Seilen der Bergbahn verfangen, hing dort über Stunden fest.

Erster Alarm geht
um 14.45 Uhr ein

Der Alarm ging am Donnerstag um 14.45 Uhr bei der Bergwacht Bergen ein. Der Paraglider hatte sich bei einem Flugmanöver in den Seilen verfangen, die Bergbahn war umgehend gestoppt worden.

Die Einsatzlage: diffizil. Zum einen galt es, den Gleitschirmpiloten zu retten, zum anderen, die Personen aus den beiden Gondeln zu bergen. Mit im Einsatz: der Rettungshubschrauber Christoph 14, um sich aus der Luft ein Bild von der Situation zu machen. „Mir ging erst mal einiges durch den Kopf“, sagt Mitterer und macht eine kurze Pause. „Immerhin ist das ja nicht alltäglich.“ Sofort sei ihm, Mitterer, und seinen Kollegen klar gewesen, dass ihnen hier ein zeitintensiver und schwieriger Einsatz bevorstehe.

Über 100 Retter
im Einsatz

Auch wenn die Bergwacht Bergen in ihrem Gebiet jedes Jahr im Schnitt zwei Einsätze mit abgestürzten Paraglidern hat – das letzte Mal, dass sich in Bayern ein Gleitschirmpilot in einer Seilbahn verfangen hatte, war Mitterer zufolge im August 2011.

Insgesamt neun Bergwacht-Bereitschaften mit rund 70 Einsatzkräften wurden letztendlich zum Einsatz angefordert. Außerdem waren weitere Einsatzkräfte von Polizei und Landratsamt, freiwilliger Feuerwehr, Malteser Hilfsdienst sowie vom Landrettungsdienst und vier Hubschrauber beteiligt. Mitterer beschreibt den Einsatz wie folgt: Die Einsatzleitung hatte den einzelnen Trupps spezielle Aufgaben zugeteilt. Darunter auch die Rettung der 20 Personen, die noch in den beiden Kabinen der Seilbahn festsaßen – die einen etwa 20, die anderen 30 Meter über dem Boden. Die ersten Retter rüsteten sich sodann mit entsprechendem Equipment aus und begannen, spezielle Rollen an den Seilbahnen festzumachen. Damit kletterten sie zu den Kabinen, betreuten die Personen, legten ihnen Rettungsgurte an und seilten sie anschließend behutsam auf den Boden ab.

Gleichzeitig begaben sich zwei Retter – auf dieselbe Art und Weise – auf den Weg zu dem hilflos abhängenden Gleitschirmflieger. „Menschen aus Gondeln zu retten, ist nicht das Problem“, betont Mitterer, „aber bei so einem abgestürzten Gleitschirmflieger braucht es besonders strukturiertes Vorgehen“. Schließlich hing der junge Mann rund 80 Meter über dem Boden in den Seilen fest.

Parallel mussten rund 50 Personen vom Gipfel geborgen werden, darunter Säuglinge, ältere Menschen, eine schwangere Frau sowie zwei Hunde. Laut Mitterer wurden sie mit Hubschraubern vom Berg heruntergeflogen. Panik sei dabei keine aufgekommen. „Die Leute haben den kleinen Rundflug eher genossen“, ergänzt er mit einem erleichterten Lachen.

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