Rosenheim – Beim Zeitzeuginnengespräch mit Ingrid Portenschlager, Tochter des KZ-Überlebenden Ernst Reiter, wurden die Rosenheimer Themenwochen „Antifaschismus bleibt notwendig“ vorgestellt. Im Sommer finden Veranstaltungen zur Geschichte, zur Gegenwart und zu Gegenstrategien im Kampf gegen die extreme Rechte statt. Zivilgesellschaftliche Gruppen, Organisationen, Parteien und Gewerkschaften organisieren Vorträge, Filmvorführungen, Kulturveranstaltungen und eine Stadtführung.
Das Rosenheimer Bündnis gegen rechte Hetze knüpft damit an die erfolgreiche Reihe „Antirassismus bleibt notwendig“ des vergangenen Jahres an. Der fast vergessene rechte Mord an dem sozialdemokratischen Gewerkschafter Georg Ott vor hundert Jahren ist der historische Anlass für die Aktionen. Am von der Arbeiterbewegung ausgerufenen „Antifaschisten-Tag“ am 29. Juli 1923 stürmten bewaffnete extrem rechte Akteure der völkisch-nationalistischen „vaterländischen Verbände“ das Rosenheimer Gewerkschaftshaus, verprügelten die anwesenden Arbeiter und ermordeten den Schlosser Ott.
Im Aufruf zur Veranstaltungsreihe heißt es deshalb „Heute – 100 Jahre später – wissen wir, dass der Faschismus zu den größten Gräueltaten gegen die Menschheit führte. Wir wissen aber auch, dass Faschisten bis heute Menschen bedrohen, angreifen und ermorden, und so ist es leider immer noch wichtig, zu betonen: ‚Antifaschismus bleibt notwendig!‘“
Zum Auftakt referierte Portenschlager im Rosenheimer Gewerkschaftshaus. Die 1949 geborene Zeitzeugin der zweiten Generation schilderte nicht nur das Leben ihres Vaters, der als Wehrdienstverweigerer das Konzentrationslager Flossenbürg mit all seinen Brutalitäten mit Folter, Zwangsarbeit im Steinbruch und Todesmarsch überlebte. Sie berichtete auch, was es bedeutet, von einem schwer traumatisierten Menschen erzogen zu werden, und sprach über gesellschaftliche Ausgrenzung und Verspottung, die sie als Kind eines ehemaligen KZ-Häftlings erfuhr.
Als Nächstes spricht Alfred Eibl am Dienstag, 30. Mai, über „Migration, Geflüchtete und unser Sozialsystem – Wer profitiert von wem?“, eingeladen von „Attac“. Nach dem Christopher Street Day am Samstag, 3. Juni, gibt’s am Sonntag, 4. Juni, ein Open-Air-Kino und Filmgespräch mit dem Dokumentarfilm „Es kann legitim sein, was nicht legal ist“ über den KZ-Überlebenden Martin Löwenberg.
Der Landtagsabgeordnete Cemal Bozoglu referiert am Dienstag, 20. Juni, über „Aktuelle Tendenzen des Rechtsextremismus“, und der Historiker Sebastian Zehetmair am Donnerstag, 22. Juni, unter dem Titel „Im Hinterland der Gegenrevolution“ über „Die Arbeiterbewegung in der Ordnungszelle Bayern“.
Am Freitag, 23. Juni, steigt ein Soli-Konzert in der Asta-Kneipe und am Samstag, 24. Juni, die Kundgebung „Bass gegen Hass“ am Salzstadel. Auf den Vortrag am Dienstag, 27. Juni, zum Thema „Die AfD und die soziale Frage“ folgt ein Film am Sonntag, 2. Juli. Über das Leben des in Kolbermoor ermordeten Carlos Fernando spricht am Mittwoch, 5. Juli, Professor Dr. Klaus Weber. Thema ist die Notwendigkeit von Antifaschismus. In zwei Vorträgen am Dienstag, 11., und Mittwoch, 12. Juli, analysiert Andreas Salomon „Die Rosenheimer Ortsgruppe der KPD 1919 bis 1933“ und stellt die „Biografien Rosenheimer Kommunisten, die ins KZ Dachau eingeliefert wurden“, vor.
Den Vortrag der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus“ über „Frauen in der extremen Rechten“ gibt’s am Samstag, 15. Juli, und eine Solidaritäts-Tanzveranstaltung am Freitag, 21. Juli. Eine antifaschistische Stadtführung „In Gedenken an Georg Ott“ am Samstag, 29. Juli, um 11 Uhr am Salzstadel von der Rosenheimer Geschichtswerkstatt beendet die Reihe.