Wasserburg – Warum ist dem kaufmännischen Leiter von Romed in Wasserburg, Christof Maaßen, fristlos gekündigt worden? Wie steht der Aufsichtsrat des Romed-Verbunds zur Entscheidung? Wie geht es nun weiter? Fragen über Fragen, die nicht nur die Mitarbeitenden des Krankenhauses umtreiben, sondern auch viele Bürger in und rund um Wasserburg. Die Sorge um den Ruf des Klinikstandorts geht um (wir berichteten).
Dies wurde auch deutlich beim Abendgebet auf Einladung von Krankenhausseelsorger Alfred Schott. Er hatte am gestrigen Freitag zum Gebet für die Klinik aufgerufen – und die Kirche in Gabersee war gut gefüllt. Schott hatte sich bereits im Vorfeld im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen klar geäußert: Die Art und Weise der Entlassung sei eines Krankenhauses nicht würdig.
Geschäftsführer
und Landrat wortkarg
Der Geschäftsführer des Romed-Verbunds mit Sitz in Rosenheim, Dr. Jens Deerberg-Wittram, erklärt auf eine Anfrage zu den Vorgängen lediglich, er bitte um Verständnis, „dass wir uns zu Personalthemen grundsätzlich nicht äußern.“
Der Landrat, bis 1. Mai Vorsitzender des Aufsichtsrates, lässt über seinen Pressesprecher Michael Fischer ausrichten, dass er sich zu den Hintergründen der Personalentscheidung nicht äußern wolle. Diese liege laut Geschäftsordnung nicht beim Aufsichtsrat. Aufsichtsratsmitglied Josef Baumann hatte gefordert, die Entlassung zurückzunehmen und die Personalentscheidung an den Aufsichtsrat zu geben.
Klartext redet einer, der den Klinikalltag sehr gut kennen muss: Dr. Martin Heindl, im Ruhestand befindlicher Chefarzt der Geburtsklinik. „Die Kündigung von Herrn Maaßen durch die Rosenheimer Geschäftsführung kann ich nur als ,Racheakt‘ interpretieren“, sagt er. Im Umgang mit der Wasserburger Geburtshilfe und der kinderärztlichen Versorgung sind nach seiner Meinung „in den letzten Monaten vonseiten der Gesamt-Geschäftsführung in Rosenheim gravierende Fehler gemacht worden.“ Diese seien mittlerweile zumindest vorübergehend behoben, ohne dass die Geburtshilfe in Wasserburg großen Schaden erlitten hätte.
Dass die Romed-Klinik auf einem guten Weg ist, sieht auch Deerberg-Wittram so: Das Haus habe den Umzug „wunderbar gemeistert“ und sei „sehr erfolgreich gestartet.“ Die Nachfrage in der Bevölkerung und bei den niedergelassenen Ärzten sei „exzellent“, „die Klinik erfährt große Unterstützung“, so der Geschäftsführer des Verbunds. „Es ist sehr gut, diese positive Entwicklung der Klinik zu sehen. Die Geschäftsleitung freut sich über die hervorragende Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Bevölkerung sehr geschätzt wird.“
Heindl findet jedoch: „Statt dem Wasserburger Personal (Schwestern, Hebammen, Ärzte) dankbar zu sein, dass sie trotz des Wegfalls der Chefärztin durch großen persönlichen Einsatz die Abteilung am Laufen halten, werden nun „Strafaktionen“ durchgeführt, gegen einen Mitarbeiter, der sich immer für die Belange der Wasserburger Geburtshilfe eingesetzt hat“, schreibt Heindl in einer Stellungnahme.
Er habe Maaßen während seiner Tätigkeit als Chefarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung (bis September 2020) und als verantwortlicher Kinderarzt (bis Dezember 2022) immer „als loyalen und seriösen Arbeiter“ erlebt, der auch ein wichtiges Bindeglied zwischen der Klinik Wasserburg und der Romed-Geschäftsführung dargestellt habe. „Nun ist er plötzlich zur unerwünschten Person erklärt worden und erhält eine „fristlose Kündigung mit Hausverbot und Kontaktverbot.“ Schlimmere Erniedrigung geht nicht“, findet Heindl.
„Eigene Versäumnisse abgewälzt“
Er wirft Deerberg-Wittram vor, eigene Versäumnisse abzuwälzen. „Für mich zeigt dieser Vorgang, dass Herrn Deerberg jegliches Maß in der Mitarbeiterführung verloren gegangen ist. So kann man auch als „oberster Chef“ nicht mit Menschen umgehen. Spätestens jetzt müsste meines Erachtens der Krankenhaus-Aufsichtsrat einschreiten um zu verhindern, dass Herrn Deerbergs „Racheaktion“ noch weiteren Schaden anrichtet“, fordert Heindl.