Unser täglich Brot gib uns heute

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Das Vaterunser ist das „Kraftgebet“ der Christen. Zumindest in unseren Kindergärten kann jedes Kind das Vaterunser bis zum Schulanfang, weil wir es jeden Monat dort im Gottesdienst einüben. Es ist oft auch das letzte Gebet, das ich als Seelsorgerin mit Sterbenden bete, die diese Worte manchmal mit erstaunlicher Klarheit mitsprechen. Selbst da, wo keine anderen Worte mehr möglich sind. Für mich immer wieder eine berührende Erfahrung.

Wenn wir im Vaterunser sagen: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, dann bringen wir damit zum Ausdruck, dass wir das tägliche Brot als Symbol für all die Grundvollzüge unseres Lebens nicht unserer eigenen Leistung verdanken. Es bleibt eine Gabe Gottes, die nur aus dem Zusammenwirken von Gott und Mensch entstehen kann. Eine Gabe, die für alle Geschöpfe dieser Erde reichen sollte. Zumindest bleibt der Auftrag, uns dieses Ziel zu setzen. Und doch brauchen wir noch mehr als nur Brot zum Leben. Wir brauchen alle auch das Brot der Liebe, der Freundschaft und Beziehung, der Freude und des Glücks. Morgen tragen wir am Fest Fronleichnam in der Monstranz das „lebendige Brot“ durch unsere Städte und Ortschaften.

Bei der Prozession sehe ich Menschen, die hinter den halb geöffneten Vorhängen ihrer Häuser still beobachten, was dort auf der Straße für sie seltsames geschieht. Es stimmt mich dann nachdenklich, dass wir nicht mehr vermitteln können, was wir hier tun: Wir tragen durch unsere Straßen viel mehr als ein kleines Stück Brot: Gott, der in diesem Zeichen unser „Lebens-Mittel“ und unsere Lebensmitte ist.

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