Klimawandel fordert Almwirtschaft

von Redaktion

Den Bergwiesen droht das Zuwachsen – Wetterextreme stressen Weiden und Vieh

Oberaudorf – Der Klimawandel stellt auch die Rosenheimer Almbewirtschafter vor neue Herausforderungen. Neben dem früheren Ende des Winters wirkt sich die steigende Durchschnittstemperatur deutlich auf die Vegetation aus.

Die Temperatur im Jahresdurchschnitt ist seit 1940 um etwa 0,8 Grad Celsius gestiegen. In den Bergen liegt der Effekt sogar bei circa 1,6 Grad Celsius. Dies liegt daran, dass die vielen Felsbereiche – ähnlich wie in den Städten – die Wärme am Tag speichern und in der Nacht wieder abgeben.

Niederschlag gibt’s dagegen nahezu gleich viel wie 1940, wenn bei der Betrachtung jährlich wechselnde Wetterextreme wie Starkregen und Sommertrockenheit vernachlässigt werden.

Pflanzen wachsen besser als früher

Pflanzen brauchen Wasser und Wärme, um zu wachsen. Dies führt dazu, dass bei gleichbleibend guter Wasserversorgung in Verbindung mit steigenden Durchschnittstemperaturen mehr wächst als früher. Die Folge ist, dass traditionelle Auftriebstermine nicht mehr stimmen. Mehr Weidevieh als früher wird benötigt, damit die Almflächen offengehalten werden.

Aber nicht nur das erschwert die Almbewirtschaftung. Regelmäßige Wetterextreme, wie Sommertrockenheit, verknappen das Wasser für die Viehtränken. Versiegen die Quellen, muss aufwendig Wasser vom Tal auf die Almfläche transportiert werden. Wo das nicht möglich ist, müssen die Landwirte das Vieh zurück ins Tal treiben, in den Stall.

Die Almweiden sind ein „Hotspot der Biodiversität“, beheimaten eine Fülle unterschiedlichen Lebens. Durch ihren Strukturreichtum bringen sie auf begrenztem Gebiet enorm viele verschiedene Lebensräume hervor. Almweiden sind Flächen, die von Menschenhand geschaffen wurden. Diese Kulturlandschaft liefert einen der höchsten Beiträge für die Artenvielfalt.

Wenn die Almflächen nicht angepasst werden, wachsen sie zu. Damit würden viele Pflanzen- und Insektenarten verschwinden. Auch Lebensräume für Säugetiere und Vögel, wie zum Beispiel für das Birkwild, das sind Hühnervögel, gingen verloren.

Das Landwirtschaftsamt Rosenheim setzt daher auf die Spezialberatung für Almbauern. Der Almfachberater Christian Tegethoff steht Rosenheimer Almbauern bei Fragen zur Almwirtschaft zur Seite. Das Weide- und Wassermanagement an die Klimaveränderungen anzupassen – das ist sein Spezialgebiet. Tegethoff tauscht sich dabei mit der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) aus, wo sich unter anderem der Experte Siegfried Steinberger schon lange mit diesen Veränderungen beschäftigt.

Almbeweidung als gelebter Naturschutz

Zu einem an den Standort angepassten Weidemanagement gehört neben dem rechtzeitigen Auftrieb der Tiere auch die Anpassung der Tierzahl auf das größere Futterangebot. Almweidefläche sind in einzelne Koppeln zu unterteilen, damit das Vieh die Almflächen gleichmäßig abweidet. Gleichzeitig entstehen dadurch auch Weideruhezeiten, in denen die Tiere in einzelnen Koppeln nicht fressen. Dies führt dazu, dass blühende Arten ihre Blütenpracht über das ganze Jahr zeigen und entwickeln. Almbeweidung ist somit gelebter Naturschutz.

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