Traunstein hat die Babyklappe

von Redaktion

Mit einem tot aufgefundenen Säugling bei Ruhpolding kam die Diskussion in Gang – jetzt wurde am Traunsteiner Krankenhaus eine Babyklappe eingerichtet.Wie sie funktioniert und was man sich erhofft,erklären die Projektverantwortlichen.

Traunstein – Es geht um extreme Ausnahmesituationen, in denen sich frischgebackene Mütter befinden können – und darum, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen: Am Traunsteiner Krankenhaus wurde am gestrigen Freitag die neue Babyklappe vorgestellt. „Sie ist an die Kinderklinik und an die Ambulanz angegliedert, eine schnelle Versorgung ist gesichert“, so Dr. Christian Schindlbeck, Geburtshelfer an den Kliniken Südostbayern. Wird ein Kind in das Nestchen gelegt, ertönt ein hausinterner Alarm und die Ärzte können sich umgehend kümmern. Die Babyklappe befindet sich in der Zufahrt zur Notaufnahme. „Für die ganze Region Südostoberbayern ist das eine Ergänzung“, so Landrat Siegfried Walch (CSU). Für Mütter in Ausnahmesituationen, genauso wie für deren Neugeborene, müsse man „alles tun, was in unserer Macht steht.“ Walch verwies aber auch auf die Möglichkeit einer anonymen Geburt, die weiterhin angeboten werde. Die Aufnahme der Schwangeren erfolgt dabei unter einem Pseudonym. Alle Einrichtungen und Behörden kennen nur dieses von der Schwangeren gewählte Pseudonym.

Kein häufiger Gebrauch erwartet

Nach der Geburt wird das Kind dann in Obhut des Jugendamtes genommen und versorgt. Es kümmert sich auch um eine Pflegefamilie. Laut Schindlbeck gab es bei den Kliniken Südostbayern seit 2014 drei anonyme Geburten. Mit dem getöteten und auf einem Wanderparkplatz aufgefundenen Säugling bei Ruhpolding im vorigen Dezember kam die Diskussion ins Rollen, so Landrat Walch – „aber die Entscheidung für eine Babyklappe fiel davon unabhängig.“ Im März wurde auch in Rosenheim im Hinterhof eines Hotels ein Neugeborenes abgelegt, hier zum Glück lebend. Walch machte aber auch klar: Solche Vorfälle könnten trotz Babyklappe weiterhin passieren. Der beste Schutz sei das gesellschaftliche Zusammenhalten. Auch Dr. Christian Schindlbeck betonte: „Das Wichtigste ist, Schwangere in Konfliktsituationen schon zuvor abzufangen.“ Kliniken und Jugendämter arbeiten dabei eng mit örtlichen Schwangerenberatungsstellen zusammen. „Bei uns im Haus gab es eine große Offenheit und große Unterstützung für das Thema“, so Dr. Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken Südostbayern. Rund 15000 Euro haben die Kliniken dafür investiert.

Häufigen Gebrauch erwartet Paech nicht. Doch das Angebot wirkt. Siehe Altötting. Seit bereits 13 Jahren gibt es dort die Klappe. Vier Babys wurden abgelegt – und damit gerettet.

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