Rosenheim – Ganze sechs Baumaßnahmen listet die Bayerische Regiobahn (BRB) derzeit und demnächst für die Region auf. Die Folge sind Zugausfälle, Verspätungen und kurzfristiger Schienenersatzverkehr. „So kann kein geregelter Zugbetrieb stattfinden!“, sagt der Geschäftsführer der BRB Arnulf Schuchmann deutlich. Dabei macht er die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz AG dafür verantwortlich, dass es auf den Strecken der BRB immer wieder zu langfristigen Störungen und kurzfristigen Bauarbeiten kommt.
„Als Folge haben wir unzufriedene Fahrgäste, die ihre durchaus berechtigte schlechte Laune an unserem Personal auslassen“, sagt Schuchmann. „Und unsere Betriebsplaner kommen kaum noch hinterher mit Umplanen – so ist eine ordentliche Fahrgastinformation nicht mehr zu schaffen.“
Bauarbeiten im Streckennetz der Bahn gehören zum Alltag vieler Fahrgäste. Die Bahn hat mittlerweile sogar eine eigene App veröffentlicht, in der sich die Bahnkunden über baubedingte Fahrplanänderungen informieren können. Alleine im Google Play Store wurde die App „DB Bauarbeiten“ bereits mehr als 100000-mal heruntergeladen.
Einschränkungen
im Fahrplan
Auch in der Region mangelt es nicht an aktuellen und geplanten Baustellen, die sich auf die Fahrgäste auswirken. Zwei Bahnhöfe werden derzeit barrierefrei ausgebaut. Kolbermoor soll im August 2023 fertiggestellt werden – bis dahin kommt es zu Änderungen am Gleis oder am Bahnsteig. Auch der Bahnhof in Freilassing wird barrierefrei ausgebaut. Mit einer Fertigstellung wird im Dezember 2025 gerechnet.
Wegen den Bahnsteigarbeiten in Freilassing erwartet die BRB auch Einschränkungen im Fahrplan zwischen Traunstein und Salzburg. Bei Zügen der Linie 53 soll es zwischen dem 20. Juli und dem 31. August nachts zu teilweisen Ausfällen, Verspätungen und Schienenersatzverkehr mit Bussen kommen.
Auf dem Streckenabschnitt zwischen Brannenburg und Kufstein wird es zwischen dem 6. und 23. August ebenfalls zu Einschränkungen kommen. Der Grund dafür sind Schleifarbeiten an den Gleisen. Beim Schienenschleifen werden kleinere Mängel oder Schäden an den Gleisen beseitigt, bevor sich diese zu größeren Problemen verschlimmern können. Dabei kann auch das Profil des Gleises wiederhergestellt werden.
Züge der Linie S4 werden vom 28. bis 31. August zwischen Bischofswiesen und dem Berchtesgadener Hauptbahnhof nicht wie gewohnt fahren. Es kommt, wie auch bei den anderen Baustellen, zu Verspätungen, Zugausfällen und einem Schienenersatzverkehr mit Bussen.
Zwischen dem 6. und dem 11. September ist dann auch die Strecke der RB54 von München nach Rosenheim betroffen. Hier werden ebenfalls die Schienen geschleift und Brückenarbeiten vorgenommen.
Zu den Problemen durch die Bauarbeiten kommt bei der BRB noch ein weiteres hinzu. Ein Mangel an Fahrdienstleitern seitens der Deutschen Bahn. So kann auf der Strecke zwischen Ingolstadt und Augsburg vom 7. bis zum 23. Juli nur noch im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden. Ein Fall, der beispielhaft für viele andere Strecken ist. In der Folge würden Züge komplett ausfallen, der Schienenersatzverkehr sei nicht gesichert und es sei unklar, wie es weitergehen soll.
Anhaltender Unmut
über Baumaßnahmen
„Hätte die DB Netz vorausschauend investiert und die Strecken nicht zu Tode gespart, hätten wir das Problem nicht, weil dort dann längst elektronische Stellwerke verbaut wären“, sagt der BRB-Geschäftsführer Schuchmann. „Es braucht nicht mal mehr einen Streik, um den Zugverkehr in Teilen lahmzulegen, da genügen schon kranke Mitarbeiter!“ Es mangele am unbedingten Willen und seit Langem am nötigen Geld und zwar bei DB Netz AG und in der Politik, So Schuchmann. Stattdessen werde weiterhin nur der gröbste Schaden beseitigt, eine langfristige Strategie sei nicht zu erkennen, bemängelt er. „Kein Wunder, dass wir Personalprobleme bekommen, da will doch keiner mehr in der Branche arbeiten!“ Das Image sei schlecht und es sei keine Besserung in Sicht.
Die BRB ist dabei nicht das einzige Verkehrsunternehmen, das mit Baustellen zu kämpfen hat. Auch bei der Südostbayernbahn wird in den kommenden Wochen und Monaten gebaut. So entfallen beispielsweise auf der Linie der RB45 zwischen Garching und Freilassing im Zeitraum vom 31. Juli und dem 13. August die Regionalbahnen wegen umfangreichen Gleisbauarbeiten. Für die ausgefallenen Züge sollen Ersatzbusse eingesetzt werden. Aus demselben Grund werden auch vom 14. bis zum 16. Juli die Züge zwischen Grafing Bahnhof und Wasserburg entfallen. Auch hier fahren stattdessen Busse.
All diese Baustellen sind aber nur Kleinigkeiten im Vergleich zu den großen Maßnahmen wie dem Projekt der Ausbaustrecke zwischen München, Mühldorf und Freilassing. Hier wird auf einer Länge von 145 Kilometern durchgehend elektrifiziert und in weiten Teilen zweigleisig ausgebaut. Die Bauarbeiten sollen 2027 beginnen und 2033 abgeschlossen sein. Und irgendwann wird wohl auch noch ein Projekt namens Brenner-Nordzulauf beginnen. Wenn auch erst in den 2030er-Jahren.