Rosenheim/Traunstein/Nußdorf – Zehn Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen kamen im August 2022 in Nußdorf am Inn zusammen, um eine Machbarkeitsstudie rund um das Thema Wasserstoff auf den Weg zu bringen. Ein knappes Jahr später kamen die Beteiligten aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Tirol nun am Montag erneut zusammen, um die Ergebnisse zu präsentieren.
Die Idee hinter dem ganzen Projekt kam von Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der Nußdorfer Spedition Johann Dettendorfer. Er beschäftigt sich schon seit circa fünf Jahren mit dem alternativen Energieträger. Sein Ziel: Die Studie sollte klären, „wann, wie und woher der Wasserstoff in unsere Region kommen kann.“
Das Ergebnis kommt nun von der beauftragten Firma Wenger Engineering – und fällt ernüchternd aus. „Grundsätzlich gibt es beim Thema Wasserstoff drei wichtige Säulen“, erklärt Tim-Luca Knaack, Sprecher des Technologieberaters. Diese Säulen bestehen erstens aus den Partnern und Firmen, die Bedarf an Wasserstoff haben, zweitens aus den Anlagen, die Wasserstoff speichern und transportieren, und drittens aus der Quelle, aus der Wasserstoff gewonnen werden kann. In der Studie wurden alle drei Säulen analysiert.
Wasserstoff
rechnet sich nicht
Um den Bedarf zu ermitteln, wurden laut Knaack 47 Unternehmen aus Rosenheim, Traunstein und Tirol eingehend befragt. Das Ergebnis: „Gerade in der Mobilität, also zum Beispiel bei Bussen und Lkw, könnte der Wasserstoff als Antrieb verwendet werden.“ Bei Autos, im Wärmenetz sowie in der Industrie findet sich laut der Studie dagegen wenig bis kein Bedarf.
Hinter der Speicherung und dem Transport stünden außerdem große Fragezeichen. „Die Menge an Wasserstoff, die importiert werden könnte, ist noch offen. Genauso wie die Entwicklung des Gasnetzes noch nicht final absehbar ist“, meint Knaack. Auch eine ausreichende Menge an Strom als notwendige Quelle sei nicht gesichert.
Ein großes Problem sind laut dem Sprecher zudem die Kosten. „Die Wirtschaftlichkeit ist grenzwertig, der Ausbau der erneuerbaren Energien zu langsam und es herrscht keine Planungssicherheit für Unternehmen“, fasst Knaack zusammen.
Das ernüchternde Fazit der Studie lautet dementsprechend, dass der Start mit Wasserstoff als Energieträger von einzelnen Pionieren zwar möglich ist. Aufgrund der derzeitigen Lage und der Risiken sei ein Hochlauf allerdings derzeit nicht umsetzbar.
Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger musste der Analyse am Montag recht geben. „Ich verstehe, dass es im Moment noch nicht funktioniert“, sagte er und wollte doch ein wenig Hoffnung machen. Zum einen baue man „wie verrückt“ am Ausbau der erneuerbaren Energien wie Photovoltaikanlagen. Zum anderen seien erst kürzlich 150 Millionen Euro in den Aufbau von Elektrolyseuren investiert worden. Solche Elektrolyseure werden benötigt, um den erneuerbaren Strom in Wasserstoff umzuwandeln.
„Mit Blick auf den Klimawandel brauchen wir alle Energieträger, auch den Wasserstoff,“ betonte auch die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die deshalb auch mit dem Förderprogramm „Leader“ rund 60 Prozent der Studie finanzierte. Sie sieht den Wasserstoff als wichtigen Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel und ist wie Aiwanger davon überzeugt, dass die jeweiligen Ansätze für die einzelne Region passend gefunden werden müssen.
PV-Anlagen werden dringend gebraucht
Ob die von Aiwanger genannten Maßnahmen jedoch ausreichen, wurde bei einer Podiumsdiskussion erörtert. Dabei gab Professor Heinrich Köster, Leiter der Technischen Hochschule Rosenheim, zu bedenken, dass es eine Menge Platz brauche, um genügend erneuerbaren Strom zu erzeugen. So müsste man beispielsweise zwei Drittel von ganz Rosenheim mit PV-Anlagen bedecken, um nur die chemische Industrie in Bayern zu versorgen. Aiwanger setzt hier laut eigener Aussage vor allem auf die landwirtschaftlichen Flächen, die für solche Anlagen bestens geeignet seien.
Nach der tendenziell enttäuschenden Studie wollen die angesprochenen „Pioniere“ jedoch nicht aufgeben. „Wir bleiben zusammen und werden weiter an dem Thema arbeiten“, versprach Dettendorfer.
Einen ersten Schritt möchte er selbst Ende 2024 machen. Dann soll an seinem Raublinger Autohof eine Wasserstofftankstelle entstehen.