Mühldorf

Eine denkwürdige Verschiebung

von Redaktion

CSU gewinnt Direktmandate – Ampel-Parteien stürzen ab

Ilse Aigner

CSU

Konrad Baur

CSU

Sascha Schnürer

CSU

Rosenheim/Bad Aibling – Eine denkwürdige Landtagswahl fand am Sonntagabend ihren Ausklang. Das Ergebnis: Zugewinne für die AfD und die Freien Wähler, die Ampel-Parteien abgestraft, die CSU klar auf dem ersten Platz – wenngleich mit Verlusten. Der bayernweite Trend spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen des Stimmkreises Rosenheim West und Rosenheim-Ost nieder.

Ganz okay, nicht schlecht, nicht besonders gut: So hätte man die Stimmung bei der CSU ein, zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale zusammenfassen können. Da herrschte noch eine gewisse Unschlüssigkeit, was dieses Ergebnis zu bedeuten hat, mit den leichten Verlusten für die CSU, der Stärkung des Koalitionspartners Freie Wähler, dem Stimmenzuwachs der AfD. Bei Daniel Artmann, Direktkandidat für den Stimmkreis Rosenheim Ost, wich diese Unschlüssigkeit im Laufe des Abends einem klareren Urteil. Als „gut“ beschrieb der CSU-Mann gegen 21:30 Uhr seine Stimmung.

Freude beim
Debütanten

Gut, das heißt: Debütant Artmann darf sich über 35,3 Prozent der Gesamtstimmen freuen. Er zieht mit klarem Abstand in den Landtag ein, auf überzeugende Manier, wie er unterstreicht, und das trotz überregionalen Störfeuers durch Bundes-Angelegenheiten wie Brenner-Nordzulauf und A8. Und: Zusammen mit den gestärkten Freien Wählern werde man weiterhin eine stabile bürgerliche Regierung für Bayern stellen können.

Ein Rekordergebnis fuhren aber eben auch die Freien Wähler ein. Und dass die Freien Wähler zusammen mit der CSU eine stabile Regierung bilden werden, davon zeigt sich nicht nur Artmann von der CSU, sondern auch Gerhard Schloots von den Freien Wählern überzeugt. Auf Rosenheimer Ebene proben die beiden jedenfalls schon mal den Paartanz. Der Daniel Artmann sei ein „ordentlicher Kerl“, zeigt sich Schloots überzeugt. „Er hat jugendliche Dynamik, und ich würde meine Lebenserfahrung einbringen“, sagt der frühere Kreis-Handwerksmeister Schloots. „Das würde schon gut zusammenpassen.“ Die CSU verteidigt ihre Stellung, wenn auch mit Verlusten. Ob sie ihrem Verbündeten daher entgegenkommen muss, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Die Freien Wähler pochen auf einen vierten Ministerposten im Landeskabinett. Artmann will darüber keine Spekulationen anstellen. Wie die Koalition in neuer Auflage zu gestalten sei, darüber werde man am Montagvormittag im Parteivorstand des CSU reden.

Friesinger „nicht
ganz zufrieden“

„Nicht ganz zufrieden“ zeigte sich CSU-Erststimmen-Kandidat Sebastian Friesinger (60) mit den Ergebnissen im Stimmkreis West. Maßstab für Friesinger war ja das Ergebnis des nunmehrigen Landrats Otto Lederer. Bei Redaktionsschluss lag die CSU bei den Gesamtstimmen bei 35,6 Prozent, bei den Erststimmen erreichte Friesinger 33 Prozent. Er hätte sich gewünscht, dass das Ergebnis näher an jenem der letzten Landtagswahl zu liegen gekommen wäre. Das starke Abschneiden der Freien Wähler und der AfD überrascht ihn nur wenig, wie er im Gespräch verdeutlicht. Die Tendenz habe er im Gespräch mit den Menschen klar spüren können. Die Ursachen dafür halte er nicht für hausgemacht, vielmehr sei der Verdruss über die Politik der Ampel „eine große“.

Erfreut über das Abschneiden seiner Partei zeigt sich indes Josef Lausch (53) von den Freien Wählern: Der zweite Platz im Stimmkreis West nach Gesamtstimmen komme „unerwartet“, umso größer sei aber die Freude darüber. Mit 18,2 Prozent (Zahlen zu Redaktionsschluss) liegt man zwar deutlich hinter der CSU, allerdings gelang es, die AfD und die Grünen deutlich zu distanzieren. Zufrieden zeigt sich Lausch auch über das Ergebnis auf Landesebene – vor allem über das Ergebnis der Grünen, und dass der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger aller Voraussicht nach das Direktmandat errungen habe. Die Freien Wähler seien nunmehr eine „Volkspartei“, so Lausch. Im Ergebnis sieht er einen deutlichen Regierungsauftrag für die Freien Wähler: „Wir sind die einzige Partei in der Regierung, die zugelegt hat.“

Dass es auf Landesebene nicht für den zweiten Platz gereicht hat, schmerze ihn nicht. Dass sich die AfD diesen Platz habe sichern können, verwundert Lausch wenig. Denn: „Die AfD hat mit Bundes-Innenministerin Nancy Faeser die beste Wahlhelferin gehabt.“

Halb lachend,
halb weinend

Mit einem „halb lachenden und einem weinenden Auge“ blickt Thomas Frank, Direktkandidat der SPD im Stimmkreis Rosenheim-Ost, auf das Ergebnis der Landtagswahlen. Ein kompliziertes Statement, das Frank erstmal erklärt. „Ich bin persönlich noch gut weggekommen und daher soweit zufrieden“, meint er. Die Kandidaten aus den umliegenden Stimmkreisen haben jedoch alle verloren, weshalb man insgesamt durchaus traurig und enttäuscht sei. „Wir hätten uns schon sieben oder acht Prozentpunkte gewünscht“, sagt Frank mit Blick auf die Zahlen um die sechs Prozent. Nun gelte es, die Wahl zu analysieren und künftig weiter „Vollgas“ zu geben.

Für Heinz Österle, Direktkandidat der SPD im Stimmkreis Rosenheim-West, ist das Ergebnis seiner Partei enttäuschend, „aber es hat sich abgezeichnet“.

Landesweit hat die SPD knapp zwei Prozentpunkte verloren. Auch im Stimmkreis sind die Ergebnisse ähnlich. „Wie es für die SPD weitergeht, wird sich nächste Woche zeigen“, so Österle. Die Schuld bei der Ampel suchen, das will Heinz Österle nicht und verteidigt die Politik von Bundeskanzler Olaf Scholz. Wo die Wähler hin sind, könne er nicht beurteilen. Schockierend finde er jedoch das Ergebnis der AfD. „Dass sie die zweitstärkste Partei darstellen, finde ich schon erschreckend.“ 

42,6 Prozentfür Ilse Aigner

Konrad Baur vor Brunnhuber

Sascha Schnürer folgt auf Huber

Artikel 1 von 11