Großkarolinenfeld – Fünf Schüsse. Kurz hintereinander. Daran erinnert sich die Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ganz genau. „Ich dachte erst, dass es sich um Feuerwerkskörper handelt und bin deswegen im Bett liegen geblieben“, sagt sie. Die Frau wohnt nur wenige Meter von der Raiffeisenbank entfernt. Jener Filiale in der Pfälzerstraße, vor der am vergangenen Freitag ein bewaffneter Raubüberfall stattfand.
Mit Gegenstand auf
den Kopf geschlagen
Wie die Polizei später bekannt gab, überfielen gegen 9.30 Uhr zwei maskierte Täter die Besatzung eines Geldtransporters. Einem der Geldboten wurde mit einem „Gegenstand“ auf den Kopf geschlagen und er erlitt dabei leichte Verletzungen. Nähere Angaben zu dem „Gegenstand“ machte die Polizei nicht. Ob die Räuber bewaffnet waren, ist noch unklar. Die Schüsse stammten aus der Waffe des Geldtransportfahrers. Er zielte auf das Fluchtauto, als die Täter flüchteten. Den wegrasenden weißen Transporter traf er nicht, dafür die Scheibe eines geparkten Autos und einen Verteilerkasten.
Die beiden Männer haben Bargeld erbeutet. Wie viel, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Sofort wurde eine Großfahndung nach den Räubern eingeleitet, auch ein Hubschrauber und Spürhunde waren im Einsatz – doch der Transporter, vermutlich ein VW der Baureihe T4 oder T5, war verschwunden. Auch das gesamte Wochenende über liefen die Ermittlungen auf Hochtouren, die Kripo ist involviert. Die Polizei hofft auf Zeugen, die Hinweise geben können.
Der Überfall fand direkt im Ortszentrum von Großkarolinenfeld statt. „Direkt gefährdet war bei dem Überfall niemand“, betont Alexander Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.
Mit Überfällen auf Geldtransporter hat es die Polizei nicht häufig zu tun. Polizeisprecher Huber kann sich an keinen vergleichbaren Fall erinnern. Auch Silke Zöller, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) sagt, Überfälle seien sehr selten. „Die Sicherheitsstandards sind in Deutschland sehr hoch und die Transporte sicher.“ Allein im vergangenen Jahr transportierten die Mitgliedsunternehmen rund 30 Milliarden Banknoten im Wert von knapp einer Billion Euro. Dafür waren über 25 Millionen Transport-Fahrten nötig. Nur bei fünf Fahrten kam es zu einem Überfall.
Laut Silke Zöller müssen die Mitglieder Sicherheitsstandards einhalten, die der Bundesverband vorgibt. Auch bei der Einstellung des Personals gibt es zahlreiche Voraussetzungen. So müssen sich die Mitarbeiter mit Waffen auskennen, dürfen keine Vorstrafen oder einen negativen Eintrag bei der Schufa haben. Heißt: Menschen, die beispielsweise Schulden in Höhe von 100000 Euro haben, werden höchstwahrscheinlich nicht dafür ausgewählt, einen Wagen zu fahren, in dem ein Millionenbetrag liegt.
Die Geldtransporter sind laut Silke Zöller mit einem Ortungssystem ausgerüstet. Transporte finden in der Regel mit drei, in manchen Fällen – wie etwa in Großkarolinenfeld – mit zwei Beschäftigten statt. „Bei der Durchführung von Geld- und Werttransporten ist sicherzustellen, dass während des gesamten Transportverlaufs mindestens ein Beschäftigter im Fahrzeug bleibt“, erklärt die Sprecherin. Mit anderen Worten: Einer fährt und parkt den Geldtransporter, ein zweiter steigt aus, geht zur Abholstelle und bringt die Geldkassetten zum Fahrzeug. Dass die Geldboten bewaffnet sind, ist vorgeschrieben.
In Großkarolinenfeld hat sich der Überfall auf den Geldtransporter schnell herumgesprochen. Auch Bürgermeister Bernd Fessler äußerte sich bestürzt über den Vorfall. „Ich bin froh, dass am Freitag noch Ferien waren“, sagt er. Die Raiffeisenbank befindet sich unmittelbar gegenüber der Grundschule Großkarolinenfeld.