Rosenheim – Rund 2,5 Millionen Besucher lockt nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim allein der Chiemsee pro Jahr an. Um die Nutzung und den Schutz von Natur im Landkreis in Einklang zu bringen, setzt er auch künftig in drei Bereichen auf die Arbeit von sogenannten Gebietsbetreuern.
Für die Areale, die laut Landkreisverwaltung eine „außergewöhnliche naturschutzfachliche Bedeutung“ und einen hohen Freizeitwert zugleich haben, hat der Landkreis jetzt den Einsatz der Betreuer für weitere fünf Jahre bis zum 31. März 2029 verlängert. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Kreis- und Umweltausschuss jeweils gegen die Stimme von Sepp Hofer (Freie Wähler). Sie werden weiterhin im Bereich des Chiemsees, der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte mit den Seeoner Seen sowie zur Besucher-Betreuung im Alpenraum unterwegs sein.
Gegenstimme
von Sepp Hofer
Sepp Hofer stellte sich nicht generell gegen Natur- und Umweltschutz, seine Ablehnung fußte auf dem Empfinden, bei der Gebietsbetreuung werde der gesunde Menschenverstand zu oft außer Acht gelassen. Als er auf das Bibermanagement im Landkreis einschwenken wollte, stellte Fraktionssprecher Dieter Kannengießer (Parteiunabhängige/ÜWG) einen Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Debatte. Eine Abstimmung darüber war nicht nötig. Landrat Otto Lederer (CSU) gelang es, Hofer mit dem Hinweis, dass dies unterschiedliche Bereiche seien, von der Fortführung seiner Ausführungen abzubringen.
Für die Betreuung des Chiemsee-Bereichs, die seit mittlerweile 15 Jahren gewährleistet wird, sind weiterhin 85 Prozent einer Vollzeitstelle veranschlagt. Eine wesentliche Aufgabe des Gebietsbetreuers ist der Schutz der rund 30000 Wasservögel, die den See im Winter besiedeln. Bisher wurden 320 verschiedene Arten nachgewiesen, davon 170 Brutvögel. Die anfallenden Gesamtkosten für den veranschlagten Zeitraum betragen laut Kalkulation rund 442000 Euro. 75 Prozent der für die Gebietsbetreuung förderfähigen Kosten werden vom Bayerischen Naturschutzfonds getragen, fünf Prozent übernimmt der Bezirk. Da sich der Chiemsee auf dem Gebiet der Landkreise Rosenheim und Traunstein befindet, teilen diese sich die Restkosten anteilsmäßig. Auf den Landkreis Rosenheim entfallen etwa 31500 Euro.
Die Ischler Achen verbindet auf ihrem Weg von West nach Ost die Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte mit den Seeoner Seen. Etwa 86 Quadratkilometer umfasst der Biotop-Verbund, der zu den ältesten Naturschutzgebieten Bayerns zählt. Auch hier ist laut Verwaltung eine „überaus große Artenvielfalt“ anzutreffen. „Die ohnehin schon hohe und immer noch zunehmende Nutzung durch Erholungssuchende erfordert weiterhin eine intensive Kommunikation, Maßnahmen zur Umweltbildung sowie wirksame Konzepte zur Besucherlenkung“, lautet hier die Stellenbeschreibung für den Gebietsbetreuer. 75 Prozent einer Vollzeitstelle stehen für seine Arbeit zur Verfügung. Die Gesamtkosten für den Fünfjahres-Zeitraum belaufen sich auf circa 411000 Euro. Den kommunalen Anteil bestreiten auch in diesem Fall die Landkreise Rosenheim und Traunstein gemeinsam. Rosenheim muss rund 84700 Euro zu den Ausgaben beisteuern.
Für die Gebietsbetreuung im Alpenraum – sie soll unter anderem zur Verringerung erheblicher Störungen durch Freizeitaktivitäten in besonders schützenswerten Bereichen beitragen – ist weiterhin eine Vollzeitstelle vorgesehen. Der Kostenaufwand beläuft sich hierfür auf etwa 524800 Euro. Rund 152400 Euro davon muss der Landkreis Rosenheim tragen.
Bisher keine
negative Resonanz
Rainer Auer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, ist froh über die Verlängerung der Arbeitsverträge. „Ich bin dankbar für unsere Gebietsvertreter. Das ist kein einfacher Job, die Belange der Touristen und des Naturschutzes unter einen Hut zu bringen“, sagt er. Er habe Respekt vor deren Arbeit. Auer sieht die Gebietsbetreuer in erster Linie als Vermittler zwischen unterschiedlichen Interessen. Er habe bisher keine negative Resonanz vernommen, was deren Arbeit betreffe.