Chiemgau – Oma Erna hat ihr alles beigebracht. Von ihr lernte Schlagerstar Stefanie Hertel, welche Beeren man essen kann, welche Pilze man sammeln darf und welche Kräuter gut für die Gesundheit sind. Denn Oma Erna kannte sich aus. Sie lebte im Vogtland mitten im Wald und liebte die Natur. „Von Kindheit an lehrten mich meine Mutter und meine Großmutter, Kräuter zu schätzen, sie zu erkennen und richtig anzuwenden“, sagt die 44-Jährige, die vegetarisch lebt.
Immer, wenn ihr Terminkalender es zulässt, verbringt die Musikerin Zeit an der frischen Luft. Dann schnappt sie sich ihren Korb und sucht in ihrer Wahlheimat im Chiemgau, wo sie mit ihrem zweiten Ehemann Lanny Lanner (49) und ihrer Tochter Johanna (22) lebt, nach Kräutern und Gewächsen, aus denen sie Gerichte, Tees, Liköre und Schnäpse zaubern kann.
Auch Cremes wie Omas Ringelblumensalbe, die bei Hautausschlägen hilft, stellt Hertel her. „Ich liebe es, zu reisen und auf Tour zu sein, das bedeutet aber oft auch Hektik und Stress. Deshalb brauche ich immer einen Ausgleich: Die Natur bedeutet für mich Ruhe und Entspannung“, sagt Hertel.
Über ihr Kräuterwissen hat die Ex-Frau von Entertainer Stefan Mross (48) jetzt ein Buch geschrieben. In „Die Wunderwelt der Kräuter“ gibt Hertel Einblicke in ihre Familiengeschichte und in die Traditionen der Kräuterverwendung. Sie teilt Tipps aus ihrer Natur-Hausapotheke und verrät feine Rezepte wie Bärlauch-Gnocchi, Wildkräutersalat, Heidelbeerkompott und Holunderbeersuppe, die man bei grippalen Infekten essen sollte. Ihr Blutwurz und ein Likör aus Hertels 21 Lieblingskräutern helfe gegen Magengrummeln und Völlegefühl. Auch dem Wundermittel Brennnessel widmet Hertel einige Zeilen. Bereits als Kind gab es für sie immer Brennnesseltee, heute liebt die Sängerin Brennnesselsamen. Vor dem Pflücken hat sie keine Angst. „Meine Mutter Elisabeth sagte immer: Wenn man mutig zupackt, dann brennen sie kaum, denn auf diese Weise drückt man die Härchen zusammen, bevor sie einen stechen. Meine Mutter hatte recht.“ Sie war es auch, die Papa Eberhard bei seinem Haarausfall half. „Seine schönen vollen Haare waren immer Papas großer Stolz. Aber als er etwa Mitte 40 war, fielen ihm immer mehr Haare aus. Mein Vater war sehr unglücklich darüber. Und hier kam meine Oma Erna wieder ins Spiel: Sie sagte, du machst jetzt eine Brennnesselkur. Meine Mutter stellte daraufhin einen Sud aus abgekochten Brennnesseln her, mit dem mein Vater von da an mehrere Monate lang jeden Tag seine Haare wusch. Zusätzlich setzte sie ihm eine Brennnesseltinktur an. Und siehe da: Der Haarausfall wurde tatsächlich gestoppt“, erzählt Hertel. Ihre Tochter Johanna teilt ihre Kräuterhexen-Leidenschaft eher nicht, verrät die gebürtige Vogtländerin. Sie liebt viel mehr süßes Gebäck und macht gerade eine Ausbildung zur Konditorin, die sie bald abschließen wird. Zur Freude ihrer Mama Stefanie Hertel, die ihre Tochter so erzogen hat, wie sie selbst aufgewachsen ist: bodenständig und mit viel Respekt für die Natur.Teresa Winter