Rosenheim – „Der Verband möge verschwinden zu seiner erfüllten Zeit und nie wieder entstehen müssen.“ Das sagte der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss einst über den VdK. Das war 1956 und damals stand das Kürzel noch für „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“. Heuss hat mit seiner Prophezeiung zum Teil sogar recht gehabt – von der Generation, die jetzt mitten im Leben steht, verbindet keiner mehr den Verband mit der Sorge für Kriegsversehrte. VdK ist aber nach wie vor ein Begriff, steht heute jedoch für einen erfolgreichen und höchst aktiven Sozialverband.
Wie aktiv, zeigen die Zahlen: Über zwei Millionen Mitglieder sind es in Deutschland, 800000 in Bayern und über zehntausend in Stadt und Landkreis Rosenheim. Der Erfolg ist mit Sicherheit auch einer Tatsache geschuldet: Am Wesenskern des Verbandes hat man über die Jahrzehnte hinweg unerschütterlich festgehalten: Es ging und geht darum, all jene, die an den Rand unserer Erfolgsgesellschaft zu rutschen drohen, zurück in die Mitte zu holen und ihnen sowie ihren Bedürfnissen eine Stimme zu verleihen.
Das Besondere am VdK ist, dass dieses Bemühen sozusagen fest auf zwei Füßen steht. Da sind zum einen die hauptamtlichen Mitarbeiter, wie etwa der Rosenheimer Kreisgeschäftsführer Dietrich Mehl, die unter anderem in der Sozialrechtsberatung tätig sind. Und da ist die große Zahl der ehrenamtlich tätigen Mitglieder: Knapp 13000 gibt es allein in Bayern. Sie sind in den Ortsverbänden strukturiert, von denen allein Stadt und Landkreis Rosenheim rund 30 haben. Diese bilden sozusagen das Ohr des Verbandes unmittelbar bei denen, die der Schuh drückt. Und in der Folge gleichzeitig auch die ausgestreckte helfende Hand, die weiß ,wo anzupacken ist.
Das Feld vor Ort ist dabei weit, reicht von der Hilfestellung bei Pflegefällen bis zu Schafkopfturnieren und Ausflügen für Senioren, berichtet Marianne Keuschnig, die Kreisvorsitzende und erste Ansprechpartnerin der Ehrenamtlichen. So dahin gesagt klingt das allgemein und fast ein wenig banal, ist in der Praxis aber alles andere als das: Für die Betroffenen kann schon ein regelmäßiger Seniorennachmittag etwas sein, das dem Leben ein Stück Struktur und damit Sinn verleiht. Entscheidend ist dabei vielleicht auch eines: Der VdK ist kein langsam alternder Verband, bei dem die helfenden Mitglieder bald so betagt sein werden wie die, die sie unterstützen wollen. In Bayern etwa sind fünfzigtausend Mitglieder des VdK fünfzig Jahre oder jünger. Womit sich ein positiver Kreis auftut: Junge Mitglieder garantieren, dass man im Verband in Sachen Hilfe und Unterstützung stets auf der Höhe der Zeit ist – das Stichwort Inklusion, im VdK ganz groß geschrieben, steht etwa hierfür. Ein derartig „junger“ Verband ist aber wiederum für andere jüngere Menschen interessant, die bereit sind, eine ehrenamtliche Aufgabe zu unternehmen. Alt und Jung gemeinsam und füreinander – ein Gesellschaftsziel, das im VdK keine Utopie ist.
So wichtig diese Arbeit an der Basis ist, sie ist aber nur ein Teil der Verbandsarbeit: Eine Organisation, die über zwei Millionen Mitglieder hat, besitzt auch politisches Gewicht, ist jedenfalls nichts, was man bei der Diskussion aktueller sozialpolitischer Fragen übersehen kann. Und hier ist entscheidend, dass Ehrenamt und die hauptberuflich Tätigen an einem Strang ziehen, sich im Grunde als eine Familie verstehen, wie Dietrich Mehl betont. Denn das garantiere, dass das, was „oben“ bei der Politik vorgebracht wird, auch tatsächlich das ist, was die Betroffenen und ihre Helfer an der Basis umtreibt.
Harte Fakten liefert hier auch die Sozialrechtsberatung des Verbandes, die für jedes Mitglied kostenlos ist. Wo die Sozialbürokratie mehr hemmt als unterstützt, wo sie zum Dschungel wird anstatt zur Wegweisung – das wird in dieser Praxisarbeit Tag für Tag ganz unmittelbar erfahren. Und kann dann mit Nachdruck auch in die politische Diskussion eingebracht werden.
Kurz: Der VdK ist ein überaus erfolgreicher Verband und dennoch hätte Dietrich Mehl noch einen Wunsch: dass noch mehr Menschen vor Ort gleich welchen Alters sich über die Angebote ihrer VdK-Ortsverbände informieren.
Der Weg zu mehr Lebensqualität könne, davon ist er überzeugt, bereits mit diesem ersten kleinen Schritt begangen werden.jt