Aubenhausen – Für Benjamin Werndl ist „eine Welt zusammengebrochen“. Famoso OLD, sein derzeitiges Spitzenpferd, musste eingeschläfert werden. „Wir wissen nicht genau, wie es passiert ist. Plötzlich stand er auf dem Paddock auf drei Beinen. Trümmerbruch. Keine Chance auf Heilung. Wir mussten ihn erlösen“, schrieb der Olympiakaderreiter erschüttert auf den sozialen Medien. Der Schock und die Trauer sitzen tief im gesamten Team Aubi, vor allem bei Famosos Pflegerin Aniko Hornik, seiner Besitzerin Flora Keller und Familie Werndl. „Famoso war so besonders.
Potenzial
schon früh erkannt
So intelligent, so verschmitzt, so verspielt, so frech und so süß. Und so talentiert. Wir hatten noch so viel vor, vor allem dieses Jahr“, heißt es in Benjamin Werndls emotionalem Post.
Mit Famoso OLD hätte er die Chance gehabt, gemeinsam mit seiner Schwester, Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl, und TSF Dalera BB, bei den Olympischen Spielen in Paris im deutschen Team zu reiten. Es wäre – nach den erfolgreichen Jugendjahren – das erste gemeinsame internationale Championat der Geschwister und die sportliche Krönung für Werndl und Famoso OLD gewesen. Die Geschwister hatten frühzeitig auf die diesjährige Weltcupsaison verzichtet, um sich ganz auf die Erfüllung ihres Lebenstraums zu konzentrieren. Es sollte (noch) nicht sein.
Als Famoso OLD mit sieben Jahren nach Aubenhausen kam, hatte er schon eine Reise hinter sich. Sein Potenzial war früh erkannt worden. Zweijährig erhielt er die Zuchtzulassung als gekörter Hengst und legte dreijährig seinen Veranlagungstest ab.
Doch als Vatertier war er weniger gefragt und wurde schließlich kastriert. Dafür begann seine Dressurkarriere 2013 gleich mit einem Sieg. Es folgten einige Reiterwechsel, bis er siebenjährig in Benjamin Werndl den richtigen zweibeinigen Partner fand. Nachdem der Aubenhausener das erste Mal im Sattel gesessen hatte, umarmte er spontan Famosos Besitzerin und bedankte sich dafür, dass er „so ein tolles Pferd ausbilden darf.“ Famoso OLD erfüllte alle Hoffnungen, die man in ihn setzte, und noch mehr. „Vor allem die Lektionen der höchsten Versammlung fielen ihm sehr leicht und so wurden gerade Piaffe und Passage bald zu unseren Lieblingslektionen. Niemals werde ich dieses Gefühl auf ihm vergessen, diese Leichtigkeit, diesen Schmelz in der Bewegung und diese Gehfreude dabei“, würdigte Werndl seinen Champion.
Besondere
Verbindung
Bei den Weltmeisterschaften 2022 in Herning/Dänemark, dem ersten Championatseinsatz für Deutschland, steigerten sie sich von Prüfung zu Prüfung, mit persönlichen Bestleistungen im Grand Prix Special (78,237 Prozent) und in der Kür. Mit 85,893 Prozent verpassten sie abschließend nur knapp die Einzel-Bronzemedaille. Zu Teambronze hatten sie entscheidend beigetragen.
Die besondere Verbindung zwischen Benjamin Werndl und dem selbstbewussten braunen Wallach mit dem Lausbubengesicht stach sofort ins Auge. Harmonie, Ausdruck und Korrektheit – Qualitäten, die schwer in Einklang zu bringen sind – wurden zum Markenzeichen und brachten das Duo 2022 in die Top Ten der Weltspitze. Famoso OLD wird nicht nur seinen Menschen fehlen, sondern auch dem Dressursport.