Rosenheim – Nachdem eine über 90 Jahre alte Frau aus dem Raum Weilheim Opfer eines falschen „Rosenheim-Cops“ wurde und einen fünfstelligen Betrag verlor, wollen die Schauspieler jetzt für mehr Aufmerksamkeit werben. Allen voran Dieter Fischer, der jüngst im Internet für tot erklärt wurde. Am Anfang war Fischer schockiert, dann vor allem wütend: Noch genau erinnert sich der Schauspieler, der in der beliebten Vorabend-Serie „Rosenheim-Cops“ die Rolle des Kommissars Anton Stadler spielt, an den Moment, als er zum ersten Mal seine eigene Todesanzeige auf Youtube gesehen hat. Jetzt hat er auf seiner Facebook-Seite vor Fake-Profilen gewarnt, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden – um die Fans zu betrügen. „Hier werden mit unseren Namen und hanebüchenen Geschichten Leute dazu gebracht, Geld zu überweisen. Das würde keiner der Schauspieler je tun“, schreibt er. Warum es ihm wichtig ist, für Aufklärung zu sorgen, erklärt er im exklusiven Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Herr Fischer, Sie sind ja quicklebendig. Ich hatte gelesen, Sie wären tot.
Ja, ich wurde im November von einem Bekannten angesprochen, dass er gehört habe, dass ich verstorben bin. Ich habe das natürlich für Blödsinn gehalten und bin davon ausgegangen, dass er eine Todesanzeige von einem anderen Dieter Fischer gesehen hat.
Hat er aber nicht, wie Sie später herausgefunden haben.
Genau. Hin und wieder google ich meinen eigenen Namen, weil immer mal wieder Falschinformationen über mich im Internet kursieren. Relativ schnell bin ich während der Suche dann auf ein Video gestoßen, das suggeriert hat, dass ich verstorben bin. Das Video selbst hatte damit übrigens überhaupt nichts zu tun – es wurde nur irgendeine Werbung abgespielt.
Wie reagiert man in einem solchen Fall?
Ich habe Kontakt zu Youtube aufgenommen. Nach langem Hin und Her habe ich es schließlich geschafft, dass zwei Seiten blockiert wurden. Anschließend habe ich mit dem Bundeskriminalamt Kontakt aufgenommen, die mir aber leider nicht weiterhelfen konnten. Für mich war die Sache damit eigentlich erledigt.
Aber?
Dann habe ich einen Anruf von Martin Pape bekommen, dem Bürgermeister von Polling. Wir kennen uns sehr gut, da ich Schirmherr des Hospizvereins im Pfaffenwinkel bin. Er hat mich gefragt, ob ich einen Kontakt zu Igor Jeftic herstellen könnte, da es in seiner Gemeinde eine ältere Dame gibt, die von jemandem kontaktiert wurde, der sich als Igor ausgegeben hat. Die beiden haben eine richtige Beziehung miteinander aufgebaut. Irgendwann hat er ihr geschrieben, dass er finanzielle Probleme habe und die Dame gebeten, ihm Geld zu schicken – was sie dann natürlich auch gemacht hat. Insgesamt hat die Frau so über 25000 Euro an den falschen Igor Jeftic bezahlt. Wahrscheinlich wäre es immer so weitergegangen, wenn nicht einer ihrer Söhne dahintergekommen wäre. Der echte Igor Jeftic hat dann bei der Dame angerufen und alles aufgeklärt.
Und danach haben Sie beschlossen, dass Sie etwas unternehmen müssen?
Es geht mir in erster Linie darum, unsere Fans zu schützen. Aber gleichzeitig will ich auch mich und meine Kollegen schützen. Die Betrüger verstecken sich oft hinter ausländischen Firmen. Es ist nahezu unmöglich, genau herauszufinden, wer dahintersteckt. Zumal Interpol erst bei Überweisungen ab 10000 Euro aktiv wird. Gerade mit Blick auf Facebook, Instagram und Youtube braucht es strengere Regeln. Zwar kann man – wie in meinem Fall – Beiträge löschen lassen. Aber am nächsten Tag stehen genau die gleichen und zum Teil noch mehr wieder im Internet.
Was macht das mit Ihnen?
Es ist eine Ohnmacht, der man ausgeliefert ist. Dadurch entsteht eine Wut. Mein Entsetzen über die Todesanzeigen war da eher zweitrangig. Außerdem habe ich herausgefunden, dass es diese Anzeigen von fast allen meinen Kollegen bei den Rosenheim-Cops gibt.
Was schlagen Sie vor?
Wer auf Facebook oder generell in den sozialen Medien einen Account erstellt, sollte seine Personalausweis-Nummer hinterlegen müssen. Damit der- oder diejenige auch zur Rechenschaft gezogen werden kann. Dann könnten diejenigen, die Facebook zurzeit dazu nutzen, andere zu beschimpfen oder ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, nicht mehr so agieren, wie sie es gerade tun. Ob das irgendwann eingeführt wird, wird sich zeigen. Bis dahin wollen ich und meine Kollegen weiterhin für Aufmerksamkeit werben.
Interview: Anna Heise