Rosenheim – „Wir stehen hier in Sandweiler/Luxemburg nachdenklich an den Soldaten- und Kriegergräbern, wir haben die Kraft, auch noch fast 80 Jahre nach dem Krieg an diesen Gräbern für diese vielen Toten zu beten, und gedenken auch derer, die heute in der Ukraine und im Nahen Osten bei diesen vom Zaun gebrochenen Krieg sterben müssen“, so der Erste Obmann der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim (IG Rosenheim) Pius Graf bei der Gedenkstunde auf der Gedenkstätte Sandweiler in Luxemburg.
„Die Toten mahnen auch noch nach so langen Jahren. Wir dürfen und wollen Terror, Gewalt und Unrecht in der Welt nicht einfach so hinnehmen, wir wollen uns weiter für Frieden in der Welt einsetzen.“ Dr. Heike Peitsch, die deutsche Botschafterin in Luxemburg, begrüßte die 500 Gäste aus Bayern, die nach ihrer Anfahrt mit dem Sonderzug der IG mit zwölf Bussen nach Sandweiler zur Kriegsgräberstätte des Volksbundes kamen. „Unsere Hoffnung, nie wieder einen Krieg erleben zu müssen, haben sich leider nicht erfüllt. Die widerrechtlichen Angriffe in der Ukraine und im Gazastreifen haben uns leider das Gegenteil bewiesen. Es ist schön, zu sehen, dass sich die IG Rosenheim auch nach so langer Zeit noch um die Gefallenen und Vermissten der großen Kriege kümmert.“
„Wir heißen alle Gäste aus Bayern hier bei uns ganz herzlich willkommen“, so die Erste Bürgermeisterin der Stadt Sandweiler, Jaqueline Breuer.
Die Blaskapelle Niklasreuth und zehn Fahnenabordnungen aus den Vereinen der IG Rosenheim gaben der Gedenkstunde eine ganz besondere Note. Pfarrer Michael Nagel zelebrierte einen Wortgottesdienst für alle Kriegsopfer.
Obmann Pius Graf mahnte: „Wenn die Generation der Kriegsteilnehmer und aller, die unmittelbar betroffen waren, in den nächsten Jahren abtritt, dann ist es die Aufgabe unseres Verbandes, das Gedenken zu bewahren.“ Zu den Klängen des Liedes vom Guten Kameraden und der beiden Nationalhymnen legten Botschafterin Dr. Heike Peitsch, Bürgermeisterin Jaqueline Breuer, der Ehrenvorsitzende des Volksbundes Bezirk Oberbayern, Heinrich Rehberg, sowie Obmann Pius Graf einen Kranz am Hochkreuz der Gedenkstätte nieder.
Auf der Kriegsgräberstätte Sandweiler sind rund 11000 deutsche Tote aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet. Während der schweren Kämpfe im Winter und Frühjahr 1945 im luxemburgisch-belgischen und luxemburgisch-deutschen Grenzgebiet hat der amerikanische Gräberdienst eigene und deutsche Gefallene aus der Kampfzone geborgen und sie in seinem rückwärtigen Heeresgebiet in zwei provisorischen Gräberfeldern bestattet: die Deutschen auf dem Gebiet der Gemeinde Sandweiler, die Amerikaner auf dem von Hamm (rund 1,5 Kilometer voneinander entfernt). Nach Abschluss der Arbeiten durch den Gräberdienst der US-Armee zählte der deutsche Friedhof 5599 Gräber. Zwischen der luxemburgischen Regierung und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland wurde 1952 das erste Kriegsgräberabkommen Deutschlands mit einem Nachbarland geschlossen. Damals befanden sich noch an 150 Stellen in Luxemburg deutsche Soldatengräber mit insgesamt 5286 Toten. Zumeist waren es Massengräber, über die nur unvollkommene Aufzeichnungen vorlagen. Der Volksbund bettete auch diese Toten nach Sandweiler um. Heinrich Rehberg