Herzensmenschen dringend benötigt

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Die Muttertage meiner Kindheit verbinde ich mit ganzen Armen von gepflückten Blumensträußen und heimlich gedeckten Frühstückstischen. Die freiwilligen hauswirtschaftlichen Aktivitäten haben nach dem Muttertag zwar immer schnell wieder nachgelassen. Unsere Mutter hatte aber damit Nachsicht, sah doch unsere Küche nach meinen ersten Backversuchen nicht besser aus als vorher. Trotzdem hatte der Muttertag einen Zauber, denn er hat uns daran erinnert, was für einen wunderbaren Herzensmenschen wir doch zu Hause haben. Die Mutter ist der einzige Mensch, der uns bedingungslos liebt. Wie weit diese Liebe geht, habe ich erst nach den Geburten meiner eigenen Kinder verstanden. Da hält man plötzlich einen kleinen Menschen im Arm und weiß tief im Inneren, dass diese Liebe nie mehr aufhören wird. Der Muttertag fällt in den Monat Mai, in dem wir auch an das Leben Marias erinnern. Nach unserem Verständnis wird sie als Mutter Jesu unter dem Kreuz zur Mutter aller Menschen. Manches wird über Maria erzählt, das so gar nicht in der Bibel steht. Legenden haben aber zumindest einen wahren Kern. Eine Wahrheit ist für mich, dass Maria ein großer Herzensmensch war. Mit einem offenen Herz für Gottes leise Stimme; mit einem treuen Herz, das mitgeht und aushält, wo es nicht alles versteht und mit einem Herz voller Traurigkeit, das sie mit vielen Menschen dieser Erde teilt. Tatsächlich könnten wir darüber nachdenken, ob wir solche „Herzensmenschen“ heute nicht am dringendsten brauchen: in unserer Gesellschaft, in unseren Kirchen und in unserem persönlichen Leben.

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