Rosenheim – Mit knapp 517 Kilometern Länge beeindruckt der Inn nicht nur als einer der größten Flüsse Europas, sondern zieht durch seine atemberaubende Landschaft zahlreiche Menschen in seinen Bann – häufig auf Kosten der Natur. Denn wo Menschen sind, ist Müll oft nicht weit.
Wieviel Müll im Inn wirklich schwimmt, haben die „Plastikpiraten“ der 13. Klasse der FOS/BOS Rosenheim untersucht. Mit der Sammelaktion, die im Rahmen des europaweiten Projekts „Plastic Pirates“ durchgeführt wurde, wollen die Schüler auf die enorme Plastikbelastung an unseren Flüssen und Bächen aufmerksam machen. Standort der Aktion war das rechte Innufer unterhalb der Staustufe Rosenheim, das von der Verbund AG ökologisch aufgewertet und zugänglich gestaltet wurde. Dieser Abschnitt am Inn gilt als attraktiver und beliebter Ruhepol unweit der Stadt.
Mit Handschuhen und Netz bewaffnet, machten sich die Plastikpiraten an dem dort entstandenen Naturufer ans Werk. Das Ergebnis spricht für sich: Obwohl die Gruppe den Uferabschnitt nur knapp eine Stunde abgesucht hat, sammelte sich einiges an Müll an, darunter ein großer Berg an Styropor, drei Bier-, eine Schnapsflasche, sechs Zigarettenkippen, mehrere Plastik- und Kosmetikverpackungen, Feuerzeuge sowie Folien und anderer Plastikmüll. Die gute Nachricht: Die Schüler fanden damit deutlich weniger Müll als erwartet. Die schlechte: Das heißt nicht zwangsläufig, dass der Müll nicht trotzdem da ist, wie das Inn- Hochwasser im vergangenen August gezeigt hat: Damals hat das Hochwasser neben Schwemmholz auch Unmengen an Plastikmüll an die Ufer gespült. „Man darf auch nicht vergessen, dass an diesem Uferabschnitt der angeschwemmte Sand viel Müll überlagert“, kommentiert Chemie- und Biologielehrer Wolfgang Bachleitner die Funde seiner Klasse. In Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim führt er die Beprobung der Gewässer schon seit vielen Jahren durch. „Es kann also durchaus sein, dass sich unter dem Sand noch Müll befindet, den wir in der kurzen Zeit nicht finden konnten.“ Nicht bei jedem Fund handelt es sich außerdem um angeschwemmten Müll: Bierflaschen und Zigarettenstummel etwas haben oft Menschen zurückgelassen, die den Uferabschnitt als Naherholungsort nutzten.
Bachleitner möchte seine Schüler deshalb vor allem sensibilisieren: „Der Erholungsfaktor am Fluss ist für uns alle wichtig und das wollen wir selbstverständlich niemanden absprechen. Wenn jeder seinen eigenen Müll wieder mitnimmt, ist schon viel geholfen. Uns ist deshalb wichtig, möglichst viele Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit Müll zu sensibilisieren.“
Das deckt sich mit den Zielen der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung, die im Rahmen der Strategie „Pro Gewässer 2030“ Gewässerschutz ganzheitlich betrachtet. Das heißt, dass bei allen Maßnahmen neben dem Hochwasserschutz und der Ökologie immer auch die Erholungsfunktion und Erlebbarkeit der Flüsse und Bäche eine wichtige Rolle spielen. Diese Gratwanderung zwischen verdienter Erholung am Fluss und Umweltschutz kann aber nur gemeinsam gemeistert werden.
Die Aktion „Plastic Pirates“ erfasst seit 2020 die europaweite Verschmutzung der Gewässer durch Plastik. Am Projekt teilnehmende Schulklassen oder Gruppen können die gesammelten Daten zum untersuchten Müllvorkommen auf die Website hochladen und dabei helfen, die gewässernahe Umweltverschmutzung zu erforschen. Die erhobenen Daten sind auf einer interaktiven Karte unter www.plastic-pirates.eu/de einsehbar.