Kufstein – Rittern beim Schwertkampf zusehen, Minnesängern zuhören und mittelalterliche Speisen genießen – wer noch nie bei einem Ritter-Fest zu Gast war, der hat wirklich etwas verpasst. Die Faszination längst vergangener Zeiten – ob sie wirklich so waren oder im Falle der Fantasy-Variante nur erdacht sind – hat Organisator Christian Domeier schon lange gepackt. „Ich habe mein allererstes Mittelalter-Fest, den ‚Ritter Markt Trostberg‘, 2003 organisiert“, erzählt er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Seither waren es inzwischen weit über 30 Feste von der Harburg über die Trausnitz bis hin nach Kufstein.
Perfekter
Veranstaltungsort
Kufstein hat für den Mittelalter-Fan eine besondere Bedeutung: „Die Festung Kufstein ist sicher eines der imposantesten noch erhaltenen mittelalterlichen Bauwerke, einmalig gelegen inmitten eines unvergleichlichen Bergpanoramas. ‚Am Fuße des Kaisers – im Bann seiner Macht‘, wie es auch so schön in unserer Ritter-Fest Hymne heißt“, schwärmt er. „Ferner ist sie mit der überdachten Josefsburg und der kompletten Infrastruktur auch ein einmalig perfekter Veranstaltungsort für ein riesengroßes Familienfest. Sie ist wettersicher und mit ihren Winkeln, Kasematten und Bastionen ist es immer wieder ein neues Abenteuer, sie zu erkunden.“
„Auf dem Ritter-Fest lagern die einzelnen Gruppen nicht wie sonst auf einer ‚großen Wiese‘, sondern halt direkt in der Festung. Wir haben beispielsweise die Löwler, hochmittelalterliche Ritter und Landsknechte, die stilecht im ‚Kaiserturm‘ residieren, eine tolle Ausstellung historischer Gewänder von einer Kostümbildnerin bis hin zur ‚Pienzenauer Schlosswacht‘“, so ein kleiner Ausblick.
Hier kommt auch ein Stück Schauspielerei dazu: „Letztere stellen das Leben des Freiherren von Pienzenau, wie er damals bis zur tragischen Eroberung durch Kaiser Maximilian I. 1504 innerhalb der Festungsmauern residierte, nach. Spannende Theaterstücke, bei denen es schon einmal auch zum Raufen oder sogar zum Fechten kommt, präsentieren uns Communitas Gladii, die Schwertkampftruppe der Herzogstadt Burghausen.“
Eine eigene Gewandung muss man sich für den Besuch natürlich nicht kaufen. „Oft passiert es aber, dass die Besucher von der Mittelalter-Begeisterung angesteckt werden, sich dann eine Gewandung kaufen oder sogar selbst schneidern und im kommenden Jahr als gewandete Besucher kommen“, schmunzelt Domeier.
Doch auch ohne stilechtes Outfit lohnt sich ein Besuch, allein schon wegen der zahlreichen Szene-Größen, die vor Ort sein werden. „‚Narrengold‘ ist Österreichs führende Mittelalter Rock- und Folkband“, wie der Gastgeber sagt. Aber auch darüber hinaus ist das Line-up beeindruckend. Alle Informationen dazu gibt es auf der Website der Veranstaltung.
Natürlich dürfen nicht nur erwachsene Mittelalter-Begeisterte nach Kufstein kommen. „Speziell für Familien haben wir ein richtig buntes Programm, vom Märchenzelt über Kinder-Ritterturniere zum Mitmachen. Basteln, tolle familientaugliche und dennoch spektakuläre Ritterkämpfe, Gaukler, und vieles, vieles mehr. Die Kronenzeitung schreibt über uns, dass wir das ‚größte Familienfest Tirols‘ sind“, erzählt Domeier weiter.
Für ihn selbst ist dieses Event immer ein besonders emotionaler Moment: „Zum einen läuft es mir auch nach 15 Jahren Ritter-Fest Kufstein immer noch kalt den Rücken herunter, wenn ich ins Inntal fahre und dann zum ersten Mal die imposante Festung auf ihrem Felsen erspähe. Das ist dann für die nächsten Tage mein Arbeitsplatz und ich empfinde das als riesengroßes Privileg“, schwärmt er.
Militärische und
kulturelle Zentren
Dabei gehe es bei der Faszination für das Mittelalter nicht nur um kriegerische Aspekte: „Festungen waren ja über die Jahrhunderte nicht nur militärische, sondern eben auch kulturelle Zentren unserer Region. Und genau in dieser friedlichen Tradition sehe ich unser Ritter-Fest Kufstein. Und diese friedliche Legende weiterzuschreiben und zu entwickeln, das ist auch nach 15 Jahren mein Antrieb und meine unglaubliche Motivation. Und das bin ich natürlich nicht alleine, sondern ich freue mich auf all die vielen 100 wunderbaren Menschen, die ich zusammenbringen darf, um dieses fantastische Fest zu feiern.“Andi Reichelt