Diskussion um den Hochwasser-Alarm

von Redaktion

Kam die Handy-Warnung zu spät?

Rosenheim – Montag, 3. Juni, 17.41 Uhr: Landrat Otto Lederer ruft den Katastrophenfall aus. Knapp drei Stunden später, um 20.30 Uhr, ertönt von den Handys der Region ein schriller Alarmton. Auf den Displays eine eindringliche Warnung: „Notfallalarm. Gefahrendurchsage, hoch“. Gewarnt wird vor Hochwasser im Landkreis. Überrascht hat diese Meldung vermutlich niemanden – eher der Zeitpunkt der Warnung. Als die Handys schrillten, kämpften zahlreiche Gemeinden bereits gegen die Wassermassen. Auf OVB-Nachfrage erklärt Sibylle Gaßner-Nickl, Pressesprecherin beim Landratsamt, dass die „Bevölkerungswarnung über die Warn-Apps oder Cellbroadcast nicht oberste Priorität“ hatte. Der Hintergrund: Laut der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) bestanden für die Bevölkerung keine „nicht-einschätzbaren Gefahren“. Aber: „Personen aus stark gefährdeten Bereichen wurden direkt von den Einsatzkräften evakuiert und in sichere Betreuungsstellen verbracht.“ Der Katastrophenfall wurde dagegen aufgrund der sich so rasant entwickelnden Lage möglichst rasch herbeigeführt.

Gesunder Menschenverstand bleibt wichtig

Ob und wann die Bevölkerung gewarnt wird, wird situationsabhängig von der FüGK entschieden. In dieser Gruppe sitzen unter anderem Experten der Hilfsorganisationen, der Feuerwehr und der Polizei. Die Mitglieder entscheiden anhand der Lagemeldungen von den Einsatzstellen und den örtlichen Einsatzleitungen. „Sollte die Führungsgruppe noch nicht zusammengetreten sein, entscheidet der diensthabende Ansprechpartner der FüGK“, sagt Gaßner-Nickl. Dieser ist rund um die Uhr auf Rufbereitschaft. „Grundsätzlich wird bei Gefahren, welche für die Bevölkerung nicht vorhersehbar sind, immer schneller gewarnt als bei Ereignissen, bei denen der gesunde Menschenverstand schon zur Vorsicht rät“, erklärt Gaßner-Nickl. Unvorhersehbare Ereignisse seien etwa eine giftige Wolke oder die Freisetzung von radioaktiven und chemischen Stoffen. Starkregen und Hochwasser nicht.

Sirenennetz-Ausbau wird vorangetrieben

Allerdings: Nicht auf jedem Telefon ist die Warnung angekommen. Dies kann laut Landratsamt am Alter der Hardware oder dem Softwarestand der Geräte liegen. Auch eine fehlende Internet- oder Mobilfunkverbindung kann Ursache sein. „Nach Ausbau des Sirenen-Warnnetzes kann die Bevölkerungswarnung dann wieder unmittelbar über ein akustisches Signal aus den Sirenen erfolgen“, erklärt Gaßner-Nickl. Hier gebe es allerdings noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten, sodass die Bevölkerung dann auch für die verschiedenen Warntöne und das Signal zur Entwarnung sensibilisiert ist. Aktuell ist das Sirenen-Warnnetz aber ohnehin noch nicht weit genug ausgebaut. ph

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