Nazi-Eklat in München – Auch Männer aus der Region dabei

von Redaktion

Hitler-Gruß und „Sieg Heil“-Rufe im Biergarten Augustiner-Keller schockieren Gäste, Wirt und Brauerei

Rosenheim/München – Gäste in einem der größten Biergärten Münchens wollten nicht glauben, was da von einem Tisch herüberschallte: Da hielt ein 26-Jähriger mit einem Schnapsglas in der Hand vor seinen Begleitern eine Rede, zeigte den Hitler-Gruß und rief „Sieg“, was aus der Gruppe mit „Heil“-Rufen beantwortet wurde. Schon zuvor hatten die Männer herumgepöbelt. Laut Polizei handelt es sich um 16 Männer aus Oberbayern im Alter zwischen 21 und 43 Jahren. Darunter seien auch Männer aus Rosenheim und Traunstein. Der „Redner“ stamme aus Garmisch-Partenkirchen, hieß es seitens der Behörden.

Der Wirt des Augustiner-Kellers zeigte sich entsetzt und empört über das Verhalten der Pöbler, bei denen es sich um Mechatroniker handeln soll. Die Augustiner Brauerei distanzierte sich zusätzlich in einem schriftlichen Statement von rechtsradikalen Umtrieben und betonte, ein offenes, tolerantes und demokratisches Weltbild zu pflegen. Von Gästen alarmiert, hatte Wirt Christian Vogler umgehend die Polizei gerufen. Die 16 teilweise erheblich angetrunkenen Männer – der Höchstwert lag bei 2,3 Promille – konnten bis zum Eintreffen der Streife festgehalten werden. Gegen sie ermittelt nun die Staatsschutzabteilung der Polizei. Nach Auskunft der Behörden waren die Männer zuvor wegen extremistischer Äußerungen noch nicht auffällig geworden. Nun aber geht es um schwere Vorwürfe: Ihnen könnte die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen zur Last gelegt werden.

Mehrere Vorfälle
in jüngster Zeit

Rechtsextreme Entgleisungen und Grenzüberschreitungen sorgten in jüngster Zeit immer wieder für Schlagzeilen. So tauchte Ende Mai ein Video auf, das in der Pony-Bar auf Sylt aufgenommen worden war. Darin grölten Party-Gäste zu dem Lied „L‘Amour Toujours“ von Gigi D‘Agostino „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Unter den Besuchern, die unsägliches Zeug brüllten, war wohl auch ein junger Mann aus Prien.

Der Augustiner-Keller an der Arnulfstraße ist einer der beliebtesten Münchner Biergärten. Wenige 100 Meter entfernt, in der ehemaligen Militärschule an der Blutenburgstraße, war hundert Jahre zuvor, im Frühjahr 1924, dem Möchtegern-Putschisten Adolf Hitler der Prozess gemacht worden. Die Verhandlung wurde zum Justizskandal: Hitler nutzte die Verhandlung zu Propagandareden, er und Gesinnungsgenossen wurden lediglich zu lächerlich geringen Strafen verurteilt. Michael Weiser

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