Vor vielen Jahren hat mir der Pfarrer an meiner ersten Dienststelle ein großes Sofakissen geschenkt. Er meinte, dieses Ruhekissen sei eine Erinnerung, dass ich mir in den vielfältigen Anforderungen des seelsorgerlichen Alltags auch Zeit zum Ausruhen und Zeit für mich selber nehmen muss. Das Kissen liegt immer noch in meinem Büro und wenn mein Blick darauf fällt, muss ich an die gut gemeinten Worte meines Pfarrers denken. Er hatte natürlich recht, aber wie es eben so ist, nicht jeder Tag ermöglicht die Zeit zum Ausruhen auf gleiche Weise. Im Evangelium vom nächsten Sonntag sind die Freunde Jesu im Boot unterwegs, als ein heftiger Sturm losbricht. Die Wellen schwappen schon in das Boot, das wie eine Nussschale hin- und hergeworfen wird. Jesus aber liegt unbekümmert auf einem Kissen im Boot und schläft, während die Freunde schon rufen: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ Nun schaue ich auf das Kissen in meinem Ruhesessel und denke mir, dass wir Gott in unserem Leben doch oft genau so erleben. Da bricht über die Welt oder über unser Leben so viel Unheil herein, und Gott scheint sich nicht im Geringsten darum zu kümmern! In der Bibelgeschichte wecken die Freunde Jesus schließlich auf. Das geschieht bei jedem Gebet. Nicht weil Gott unser Gebet braucht, sondern wir jemanden, bei dem unser Ruf Gehör findet. Jesus bringt den Sturm mit einem Machtwort zur Ruhe. Gott ist schon ganz nahe da in unserem Lebensboot, auch wenn wir es nicht wahrnehmen. Das ist am Ende dann auch der beste Grund, warum wir das Ruhekissen für uns selbst gelassen in Anspruch nehmen dürfen.