„Schwarzboote“ auf dem Simssee

von Redaktion

Schon lange hatte die Wasserschutzpolizei einen Verdacht, bei einer Kontrolle wurde dieser Gewissheit. Rund 30 Boote liegen am Simssee ohne Genehmigung an den Bojenliegeplätzen. Das soll sich nun ändern, auch mit Anzeigen und Bußgeldern.

Simssee – „Mit Corona sind die Schiffe auf dem Simssee größer geworden“, sagt Hans Reile, Vorsitzender des Segel- und Ruderclubs Simssee. Ein Trend, der ihn bereits während der Pandemie geärgert hat. Denn damals durfte der Verein aufgrund der Einschränkungen nicht aktiv sein. Das Segeln und freie Anmieten einer Liegeboje hingegen war nicht untersagt. Und so hätte es – zur besseren Freizeitgestaltung, vermutet Reile – deutlich mehr Menschen aufs Wasser gezogen.

Mehr Schiffe –
aber nicht alle segeln

Wirklich segeln würden jedoch die wenigsten. „Viele Leute gehen schwimmen und verbringen Zeit auf dem Boot, ohne rauszufahren“, so Reile. Anders ist das bei den 318 Mitgliedern des Segel- und Ruderclubs. Die Wassersportler sind hauptsächlich als Regattaverein aktiv. 16 Liegeplätze vor dem Clubgelände hat der Verein gepachtet. Alles genehmigt, nach geltendem Recht. Im privaten Bereich sehe es aber anders aus.

Dass es auf dem See nicht mit rechten Dingen zugeht, ist auch schon der Wasserschutzpolizei Prien aufgefallen. Bereits zu Saisonbeginn im Mai hat sich eine Streife mit dem Schlauchboot ein Bild gemacht und festgestellt: Einige der Schiffe haben kein erforderliches Kennzeichen – und sind somit gar nicht zugelassen.

„Wir stellten bei der Kontrollfahrt zahlreiche Schiffe fest, die genehmigt werden müssten, es aber nicht waren“, erklärt Thomas Schmidbauer von der Wasserschutzpolizei auf OVB-Nachfrage. Bei der jüngsten Kontrollaktion am 14. Juni seien gut 30 Boote festgestellt worden, die unter Verdacht dieser Ordnungswidrigkeit stehen. In den meisten Fällen handle es sich um Segelboote, die ohne Genehmigung mit Motoren betrieben werden, oder deren Kabine zu hoch ist. Die kontrollierten Elektroboote seien alle genehmigt gewesen.

In vielen Fällen sind es laut Schmidbauer auch Boote mit einem Kennzeichen des Traunsteiner oder Miesbacher Landratsamtes, die für den Chiemsee oder Tegernsee zugelassen sind. „Für den Simssee muss aber eine Zulassung durch das Landratsamt Rosenheim erfolgen“, erklärt der Beamte. In weiteren Kontrollaktionen sollen nun die Boote, die meist an Bojenliegeplätzen vertäut sind, überprüft werden. Gegebenenfalls erwartet die Eigentümer dann eine Anzeige sowie ein Bußgeld.

Gewässer
in Privatbesitz

Der Simssee ist im Gegensatz zu anderen großen Seen nicht in staatlichem Besitz, sondern gehört Privatleuten – dazu gehört der Seebesitzerverband Baierbach. Der Verband besitzt zwei Bojenliegeplätze in Ecking sowie jeweils einen in Pietzing und Baierbach, erklärt Verena Bauer, Geschäftsführerin des Seebesitzerverbandes. Dort können Schiffsbesitzer eine Boje anmieten beziehungsweise sich unter Umständen die Genehmigung für das Rausfahren holen. Und dabei gibt es einiges zu beachten. Denn alle Schiffe brauchen eine private und unter Umständen zusätzlich noch eine öffentlich-rechtliche Genehmigung.

Um einen Liegeplatz zu mieten, müssen die Bootseigner beim Seebesitzerverband mittels Vertrag eine private Genehmigung einholen, erläutert Bauer. Kleine Fahrzeuge ohne eigene Triebkraft wie Ruderboote sind grundsätzlich genehmigungsfrei. Alle Boote, die über 9,20 Meter lang sind, alle Elektroboote sowie alle Segelfahrzeuge, wenn sie mit Hilfsmotor (über vier kW Maschinenleistung) müssen darüber hinaus beim Landratsamt Rosenheim genehmigt werden. Dasselbe gilt übrigens auch für Schiffe, die zwar kleiner sind, aber über eingebaute Wohn-, Koch- oder Sanitäreinrichtungen verfügen. Als Wohneinrichtung gilt ein allseitig geschlossener Aufbau mit einer Kabinenhöhe von mehr als 1,20 Meter.

„Außerdem ist es verboten, auf dem Simssee zu übernachten“, erklärt Verena Bauer. Zu große Boote lehne der Seebesitzerverband ab. Ob sich die Schiffseigner um die öffentlich-rechtliche Genehmigung kümmern, obliege deren Verantwortung.

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