Diese Frage bleibt aktuell: Wer vertuschte den Missbrauch in der Kirche?

von Redaktion

Diskussion am Brennpunkt Rosenheim – Radtour der Betroffenen macht am heutigen Mittwoch im Bildungszentrum St. Nikolaus halt

Rosenheim – Am vergangenen Sonntag sind sie aufgebrochen, zu einer Tour rund um den Chiemsee. Sie wollen – wie schon im Jahr 2023 mit ihrer Pilgerfahrt nach Rom – das Thema „Missbrauch in der katholischen Kirche“ ins Bewusstsein der Menschen bringen, mit ihrer Radfahrt an sich, aber auch in Andachten und mit Malen der Erinnerung.

Wie in Maitenbeth. Dort wurde bei einer Andacht am Sonntag eine Stele in Form eines gebrochenen Herzens aufgestellt. Das 1,60 Meter hohe Kunstwerk „Broken Heart“ steht nun direkt neben der Kirche in einem Rosenbeet. Es ist dem „Gedenken an die Opfer des Kindesmissbrauchs durch den örtlichen Pfarrer Ludwig Axenböck (1949 bis 1972)“ gewidmet. Welche Formen des Mahnens gibt es, wie verhält sich die katholische Kirche heute zu diesem dunklen Kapitel? Wie war es möglich, dass Missetäter im geistlichen Gewand von hohen Mitarbeitern der Kirche nicht nur der Justiz entzogen, sondern an andere Dienstorte versetzt wurden? In andere Gemeinden, die nicht einmal gewarnt wurden, und wo „gefallenen Brüdern in Christo“ erneut Kinder anvertraut wurden?

Diesen Fragen will sich heute um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Rosenheimer Bildungszentrum St. Nikolaus widmen. Domkapitular Monsignore Thomas Schlichting, Rechtsanwalt Dr. Ulrich Wastl von der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, Detlef Zander als Sprecher des Betroffenenbeirats der EKD sowie Michael Weiser, Redakteur beim OVB, über das Thema „Missbrauch im klerikalen Kontext“. Es moderiert Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats der Erzdiözese München-Freising.

Rosenheim gilt als Brennpunkt des Skandals, der 2022 im Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl aufgegriffen und nach der Prüfung durch die Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit geraten war. In Rosenheim hatte der wegen schweren Kindesmissbrauchs zu mehrjähriger Haft verurteilte Pfarrer Greihansel nach seiner Versetzung weitere Übergriffe verübt.

Unter dem Eindruck des Rosenheimer Skandals hatten sich weitere Betroffene aus anderen Gemeinden gemeldet. Für überregionale Schlagzeilen sorgten Fälle in Garching an der Alz. Das Landgericht Traunstein klärt derzeit, in welchem Maße der am 21. Dezember 2022 verstorbene emeritierte Papst Benedikt XVI. Mitverantwortung auf sich geladen hat und ob einem Opfer eine Wiedergutmachung in Höhe von über 300000 Euro zusteht.

Am morgigen Donnerstag fährt die Gruppe über Niklasreuth an den Schliersee. Dort feiert Kardinal Reinhard Marx mit den Betroffenen und Gläubigen eine Messe. Innehalten wollen die Betroffenen am Freitag, bevor sie über eine Strecke von circa 55 Kilometern nach München zurückkehren. we

Artikel 5 von 11