Immling nimmt die Freude in den Fokus

von Redaktion

Die Opern-Spiele beginnen als Gegenentwurf zur aktuellen Nachrichtenlage

Halfing/Immling – Da braut sich was zusammen über dem Himmel von Immling. Am Tag der Spielzeiteröffnung türmen sich dunkle Gewitterwolken über dem Festspielhaus des Immling Festival bei Halfing. Ein böses Omen? Mitnichten. Eher schon die geballte Energie einer bevorstehenden Premiere.

Legendäre
Kuhglocken
zur Eröffnung

Zahlreiche Opernliebhaber genießen noch schnell die letzten Sonnenstrahlen, dann das legendäre Kuhglockengeläut – und Vorhang auf, für die 28. Spielzeit, die dem starken Motto „mitmenschlich“ unterstellt ist. Guiseppe Verdis „Aida“, als erste von drei Opern des Festivals, passt wirklich gut zu diesem Thema. Im Festspielhaus ist das Mikrofon ein wenig zu laut eingestellt – kein Problem, Hausherr Ludwig Baumann lässt die Lautstärke runter regeln, während sich seine Mundwinkel zu einem freudigen Lachen nach oben bewegen.

Ein erwartungsfrohes Publikum sitzt im ausverkauften Haus und fiebert der Verdi-Oper „Aida“ entgegen. Vorfreude schwingt auch in Baumanns Begrüßungsrede mit, wobei er betonte, dass er mit der Oper, in einer Zeit von negativer Nachrichtenflut der Medienwelt, so gut es geht, einen Gegenpol setzen will. „Uns geht es im Vergleich mit anderen Ländern noch paradiesisch.“. Die Zukunft der Oper liege in der Nachwuchsförderung, betonte der Intendant und Gründer des Immling Festivals und, dass es ihm eine Freude sei, mit der Immling Akademie und dem Kinderchor dieser Verantwortung nachzukommen. Mit dem Musical „Fame“ und „Der Barbier von Sevilla“ als Kinderoper stehen heuer zwei Werke im Programm, in denen die kleinen groß rauskommen. Mit Künstlerinnen und Künstlern aus rund 40 Nationen sei Immling international und liefere den Beweis, wie gut Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenarbeiten können. Auch die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, sprach in ihrer Rede ihre Freude darüber aus, dass Kinder in Immling „die Welt der Musik erfahren können“.

Ilse Aigner ist „stolz
auf diesen grünen Hügel im Chiemgau“

Allein die Anfahrt sei ein Erlebnis und die Opernaufführungen, ein Genuss für Augen, Ohren und die Seele. Bayern sei „ein Kulturstaat und könne stolz auf diesen grünen Hügel im Chiemgau sein“.

Daniel Artmann, Mitglied des Landtags und des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen sprach sich als junger Familienvater auch als Vertreter der jungen Generation für diesen „Kulturschatz zwischen Salzburg, Innsbruck und München“ aus. Sein Werben bei Kunstminister Markus Blume ergab einen Zuschuss in Höhe von 450000 Euro. Das sei eine Erhöhung um 30 Prozent für diese Saison, die aufgrund der Kostensteigerung bewilligt wurde. Landrat des Landkreises Rosenheim, Otto Lederer, ging in seiner Ansprache auf das Spielzeitmotto ein: „Nicht nur in der digitalen, sondern auch in der analogen Welt wird die Menschlichkeit immer öfter vermisst.“. So würden sich auch in der Inszenierung der „Aida“ Protagonistinnen und Protagonisten, für Mitmenschlichkeit und gegen Unmenschlichkeit einsetzen. Beim Stimmen der Instrumente des Immling Orchesters wurde es dunkel im Festspielhaus. Im Sog von Musik und Handlung vergaß das Publikum bald, woher es kam oder was morgen sein könnte: Hier und jetzt wirkte Oper – und im gemeinsamen Erleben, das Mitmenschliche.

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