Rosenheim – Der Neue soll, so war zu hören, gern in die Berge gehen. Davon würde er in der näheren Umgebung Rosenheims genügend finden. Ein Massiv erwartet Dr. Ulrich Schulze auch in seinem neuen Job bei Romed – ein Berg von Arbeit.
Wie andere Kliniken auch kam das Rosenheimer Klinik-Unternehmen gerupft aus der Corona-Pandemie. Zuletzt schrieb der Verbund mit seinen vier Häusern tiefrote Zahlen. Mit diesem Ballast macht sich Romed auf einen Weg, dessen Verlauf ungewiss ist. Weil noch gar nicht klar ist, wie stark und auf welche Weise die Gesundheitsreform von Minister Karl Lauterbach (SPD) die Krankenhaus-Landschaft verändern wird.
Entwarnung beim
Romed-Defizit?
Zumindest, was die roten Zahlen betrifft, gibt es vorsichtige Entwarnung. Zunächst war ja von einem Minus von 30 Millionen Euro oder mehr die Rede gewesen. Die Schätzung wurde gegen Ende 2023 korrigiert, auf 26,5 Millionen. Nun scheint sich nochmals etwas bewegt zu haben. Wenn am 20. Juli der Krankenhaushausausschuss der Stadt Rosenheim zusammentritt, „rechne ich mit einem noch geringeren Minus“, sagt CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann. Von guten Nachrichten geht diesbezüglich auch sein SPD-Kollege Abuzar Erdogan aus.
Ein weiteres Problem stellt die Bau-Substanz dar. Prien und Wasserburg stehen ziemlich neu, beziehungsweise saniert da. Anders Rosenheim, dessen Komplex in die Jahre gekommen ist. Nach Jahrzehnten des vor sich hin Wucherns kann das verschachtelte Gebäude Besucher und Personal vor Orientierungsprobleme stellen.
In Rosenheim wären daher umfangreiche Sanierungsarbeiten fällig. Oder, wie nicht zuletzt Ärzte meinen, ein Neubau. Womöglich am Südrand der Stadt Rosenheim, groß genug, um auch die Einrichtungen des Standortes Bad Aibling übernehmen zu können.
Coburg als Beispiel
für Rosenheim
Eine Zusammenlegung beider Standorte war in den vergangenen Jahren häufiger im Gespräch gewesen. Die Gedankenspiele hatten Fahrt aufgenommen, als erste Einzelheiten von Karl Lauterbachs Reform bekannt wurden. Man müsse „Standorte abbauen“, hatte der Bundesgesundheitsminister gesagt. Was liegt näher, als sich über zwei so nah beinander liegende Häuser wie Bad Aibling und Rosenheim Gedanken zu machen?
Patienten aus Bad Aibling und Umgebung werden so schnell aber nicht nach Rosenheim müssen. Ein Neubau, wie er für Rosenheim denkbar wäre, soll in Coburg in Oberfranken entstehen. Dort fand man den perfekten Bauplatz, das Problem sind die Finanzen. Hatte man die Kosten 2022 noch auf rund 430 Millionen Euro geschätzt, liegen aktuelle Rechnungen bei weit mehr als 560 Millionen Euro. Erfahrungsgemäß werden die Kosten weiter steigen.
Stadt und Landkreis Coburg werden rund ein Drittel der Kosten tragen. Der Rest kommt vom Freistaat. Dass Bayern angesichts so vieler anderer Ausgaben in den nächsten Jahren bereit wäre, ein weiteres Klinik-Projekt von möglicherweise noch größeren Dimensionen in Rosenheim mitzutragen, erscheint zweifelhaft.
Finanzen machen
Neubau fraglich
Auch die Finanzen der Stadt Rosenheim machen einen Neubau fraglich. Die Kassenlage ist angespannt, sodass die Diskussion darüber, ob die Fifty-Fifty-Teilung des Defizits zwischen Landkreis und kreisfreier Stadt Rosenheim angemessen sei, längst nicht beendet sein dürfte. Auf „ein Fünftel aus der Stadt, vier Fünftel aus dem Landkreis“ schätzt etwa Abzuar Erdogan den Patienten-Anteil.
Lob für
Ulrich Schulze
Zumindest der letztere Punkt muss Dr. Ulrich Schulze nicht weiter beschäftigen. Er ist der leitende Angestellte des Romed-Verbunds, Entscheidungen dieser Dimensionen wären Sache von Stadt und Landkreis. Beziehungsweise von Oberbürgermeister Andreas März (CSU) und Landrat Otto Lederer (CSU).
Lederer bekräftigte auf Nachfrage des OVB sein Lob für Dr. Ulrich Schulze. „Wir sind überzeugt, mit Herrn Dr. Ulrich Schulze einen neuen Geschäftsführer ausgewählt zu haben, der durch seine beruflichen Erfahrungen in der Wirtschaft sowie dem Gesundheitswesen die erforderlichen Qualifikationen mitbringt.“ Mit der geplanten Einführung von Leistungsgruppen biete sich dem Verbund die Chance, die fachlichen Schwerpunkte der Standorte weiterzuentwickeln, die Zusammenarbeit zwischen den Standorten auszubauen und damit die Angebote und die Qualität der Versorgung in Stadt und Landkreis weiter zu verbessern.
Neuer Chef punktet
mit Erfolgsbilanz
Dr. Ulrich Schulze selber äußerte sich tatendurstig. „Ich freue mich auf meine neue reizvolle und verantwortungsvolle Aufgabe in einer attraktiven Region.“ Die Wandlungen der Krankenhauslandschaft böten hervorragende Voraussetzungen, moderne und leistungsfähige Strukturen zu entwickeln. Auch persönliche Gründe sprechen für seinen Wechsel nach Rosenheim: „Da meine Familie im Landkreis Fürstenfeldbruck lebt, spielten auch persönliche Gründe eine große Rolle bei der Entscheidung, dass es zurück nach Bayern geht.“
Bis Ende Januar hatte Jens Deerberg-Wittram den Romed-Verbund geleitet. Er hatte aus dringenden persönlichen und familiären Gründen gekündigt. Die Verpflichtung von Dr. Ulrich Schulze war Ende Juni verkündet worden.
Für Rosenheim empfiehlt sich der neue Chef in mehrfacher Hinsicht. Zuletzt leitete er sieben Jahre lang das Siloah-St.-Trudpert-Kinikum in Pforzheim. Mit großen Erfolgen, was die Marschrichtung in der medzinischen Entwicklung und der Infrastruktur betrifft, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Keppler betonte.
Den Verantwortlichen in Rosenheim dürften zwei Punkte in Schulzes Erfolgsbilanz besonders gut gefallen haben. Erstens: Schulze erzielte mit dem St.-Trudpert-Klinikum seit „vielen Jahren“ einen „deutlich positiven Jahresüberschuss“, wie es aus Pforzheim heißt. Zweitens habe er dort die Zentrale Notaufnahme (ZNA) neu konzipiert. Diese Aufgabe hätte Rosenheim ebenfalls gerne gelöst: Die ZNA im Romed-Klinikum ist eng und häufig überlastet.