Neubeuern – „Hauswirtschaft ist mehr als nur Putzen und Kochen“, sagt Franziska Steinlechner. Die 17-Jährige aus Neubeuern weiß, wovon sie spricht. Denn sie befindet sich in der Ausbildung zur Hauswirtschafterin an der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung in München.
Natürlich gehören auch Putzen, Bügeln und Kochen auf den Unterrichtsplan. Die Schülerinnen – in Franziskas Jahrgang und in denen davor waren nur Frauen unter den Auszubildenden – werden auch in Ernährung, Floristik, Service und Betreuung geschult. Frauenarbeit eben, wenn man in veralteten Rollenbildern denkt. „Ist aber nicht so“, sagt Franziska.
Zahlreiche berufliche
Möglichkeiten
Denn wie die junge Frau erklärt, ist der Beruf sehr vielfältig und wichtig. „Viele wissen gar nicht richtig, was es ist“, sagt sie. Neben der Organisation des Haushalts ist auch die Betreuung und Pflege von Menschen Teil der Ausbildung. Hauswirtschafterinnen lernen die Verwaltung des Haushaltsbudgets, was sie nicht nur für Privathaushalte interessant macht, sondern auch für soziale Einrichtungen oder Unternehmen. Pflegeheime, Kitas, aber auch landwirtschaftliche Betriebe und Gastgewerbe gehören zu ihren Tätigkeitsstätten. Im ersten Ausbildungsjahr absolvierte Franziska neben Projektarbeiten an der Schule auch ein Praktikum bei einer Familie, half im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Das habe ihr gefallen, erzählt sie. Sie habe sich nicht wie die Bedienstete der Familie, sondern wohlgefühlt.
„Sie haben mich sehr gut bei sich aufgenommen“, berichtet die 17-Jährige. Im zweiten Ausbildungsjahr stehen nun 80 Stunden in einem „Großhaushalt“ – im Fall von Franziska in einem Pflegeheim – auf dem Plan.
Derzeit besuchen 55 junge Menschen die Berufsfachschule – darunter erstmals auch ein junger Mann. Wie Schulleiterin Rosa Wimmer berichtet, sei dies überhaupt erst seit diesem Schuljahr möglich. Zuvor wurden an der einstigen Klosterschule nur Frauen angenommen. Seit der Übernahme durch die Caritas öffnet sich die Schule nun für alle Geschlechter. „Insgesamt hatten wir zehn männliche Bewerber“, berichtet Wimmer. Einige hätten sich dann aber doch für andere Handwerksberufe entschieden, bei anderen kam keine Rückmeldung. „Generell ist uns aber egal, welches Geschlecht unsere Auszubildenden haben. Wichtig ist uns, Fachkräfte auszubilden.“
Denn die Zahl der Absolventen sei rückläufig. „Ich denke, es liegt daran, dass dieses Berufsfeld zu geringes Ansehen in der Gesellschaft hat“, so die Schulleiterin. Dabei werden Hauswirtschafterinnen oder Assistentinnen für Ernährung und Versorgung, wie sie inzwischen heißen, händeringend gesucht. Eine Absolventin im vergangenen Jahr habe sechs Bewerbungsgespräche geführt, überall eine Zusage erhalten und konnte sich aussuchen, wo sie arbeiten möchte.
Das schwarze Brett der Schule sei voll mit Jobangeboten. Pflegeheime, betuchte Münchner Familien, die Hilfe bei der Kinderbetreuung suchen, aber auch der FC Bayern, der im Auftrag neuer Spieler eine Hauswirtschafterin sucht, tritt gern direkt an die Berufsfachschule heran. „Hier wissen sie, dass sie ausgebildetes Fachpersonal finden“, sagt Wimmer. Bei öffentlichen Ausschreibungen melden sich oft auch ungelernte Hilfskräfte. „Die Qualität leidet, wenn einer nicht weiß, was er tut“, sagt Wimmer.
Eine ausgebildete Hauswirtschafterin bedeute auch mehr Lebensqualität, findet Kreisbäuerin Katharina Kern. Nicht nur für Betriebe, sondern auch für Familien. „Bestimmte Dinge werden von Grund auf gelernt.“ Auch Kern selbst habe die Ausbildung zur Hauswirtschafterin gemacht. Wie sie aus dem Kreistag oder dem Landwirtschaftsministerium rückgemeldet bekommt, sei es schwer, an gut ausgebildetes Fachpersonal heranzukommen. Der Betrieb zahlreicher Betreuungseinrichtungen stünde durch den Mangel an Fachpersonal oftmals auf der Kippe.
Man merke, dass junge Frauen sich eher anderen Bereichen zuwenden, wie beispielsweise Pflege- oder Erziehungsberufen, wo ebenfalls Fachkräftemangel herrscht. „Da besteht so etwas wie eine Konkurrenzsituation“, meint Kern. Im Pflege- und Erziehungsbereich sei die öffentliche Akzeptanz und Anerkennung der Berufe in den vergangenen Jahren innerhalb der Gesellschaft gestiegen, findet Wimmer.
Um dieser entgegenzuwirken, will sich die Schulleiterin auch für mehr Anerkennung der Hauswirtschaft als Beruf einsetzen. Sie betont, dass die Ausbildung ein guter Grundstein für weitere Bildungswege sei. Viele der Absolventinnen gehen danach auf die Landwirtschafts- oder Dorfhelferinnenschule oder werden Fachlehrerinnen. „Auch die werden händeringend gesucht“, erläutert Wimmer. Nach der Ausbildung können Absolventen auch ohne Abitur nach zwei Jahren am Staatsinstitut für Ausbildung von Fachlehrern und zwei Jahren Referendariat als Fachlehrerinnen für Werken und Gestalten an Grundschulen unterrichten. Auch ein Meister ist möglich.
Martina Bauer ist Hauswirtschaftsmeisterin. Neben ihrer Tätigkeit bei der Bergwacht Sachrang-Aschau arbeitet sie als Hauswirtschafterin für den Ökumenischen Sozialdienst Priental. Dort erledigt sie hauswirtschaftliche Tätigkeiten bei den Senioren zu Hause, die von dem Pflegedienst betreut werden. „Als Hauswirtschafterin weiß man Dinge, die man im Alltag eben nicht lernt“, sagt die 45-Jährige. Als Meisterin habe sie zu der Grundausbildung weitere Tätigkeitsbereiche vertieft, die sie unter anderem zur Ausbilderin qualifizieren. Aber auch Leitungsqualifikation, das Erstellen von Hygienekonzepten oder die Berechnung, ob hauswirtschaftliche Tätigkeiten innerhalb eines Großbetriebs intern erledigt oder ausgelagert – „outgesourct“ – werden müssen.
Früher habe es in der Arbeitswelt nicht viele Möglichkeiten für Frauen gegeben, sagt Bauer. „Inzwischen hat sich das glücklicherweise geändert. Nichtsdestotrotz kenne ich viele Frauen, die nach einer Ausbildung oder einem Studium die Hauswirtschaftsausbildung draufsetzen.“ Denn gleichzeitig lerne man viel über das Leben im Jahreskreis, was vor allem im Bereich der saisonalen Ernährung positive Auswirkungen für Mensch und Umwelt hat. Für Franziska dient die Ausbildung auch als Orientierungshilfe.
„Ich wusste nach dem Realschulabschluss erst gar nicht, was ich machen will.“ Also entschied sie sich für die zweijährige Ausbildung an der Berufsfachschule. Aufgrund der Mittleren Reife kann sie die sonst dreijährige Ausbildung auf zwei Jahre verkürzen. Lehrgeld erhält sie keines. Im Gegenteil, sie muss für die Privatschule zahlen. Mit 50 Euro monatlich sind die Kosten jedoch überschaubar.
Freude an der Arbeit
mit Menschen
Auch Franziska möchte an ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin eine weitere Ausbildung dranhängen. Allerdings in der Pflege. „Mein Traum ist es, auf der Säuglingsstation zu arbeiten“, sagt sie. Die Hauswirtschaft sei schön und mache ihr Spaß. Durch die Arbeit mit den Menschen habe sie gemerkt, dass ihr diese Tätigkeit liegt, und sie diese vertiefen möchte. „Aber ich bereue es überhaupt nicht, mich für die Hauswirtschaft entschieden zu haben.“