Rimsting – Nach den Aufräumarbeiten, nach den Ermittlungen und nach dem Prozess vorm Amtsgericht Rosenheim blieben und bleiben immer noch Fragen. Gar nicht mal so sehr danach, wie ein Landwirt seinen Tieren das antun konnte.
Wie er sie so vernachlässigen konnte, dass nach Wochen und Monaten der Mangelversorgung 33 von ihnen umgekommen waren. Verreckt waren sie, elendiglich, und manche auch verrottet. Ja, auch das: Die Rettungskräfte stießen in dem vollkommen heruntergekommenen Stall in Rimsting unter der Oberfläche eines Tümpels aus Kot und Kuhpisse auch auf halbzersetzte, halbverweste Tiere.
Depressionen
als Auslöser
In dem Prozess konnte man einiges erfahren über Depressionen. Wie sie einen in den Abwärtsstrudel stürzen, einem den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Bis man morgens lieber gleich liegen bleibt. Weil da jegliche Kraft verloren gegangen ist, jeglicher Glauben an die Sinnhaftigkeit dessen, was man doch vorher als seine Berufung bezeichnet hatte.
Das alles brachte in den Märztagen 2024 die viel beachtete Verhandlung im Rosenheimer Amtsgericht ans Licht. Als Zuschauer war man danach immer noch bestürzt über das Leiden der Tiere, über das Maß an Gleichgültigkeit, das der gemütskranke Landwirt mittendrin entwickelt haben musste. Er wirkte nicht wie ein roher Mann oder gar ein Unmensch. Aufgrund seines Verhaltens aber, der Aussagen und auch der Erklärungen seiner Anwälte Dr. Markus Frank und Harald Baumgärtl konnte man zumindest ein leises Verständnis gewinnen.
Für den Absturz des Landwirts, wohlgemerkt. Nicht für das, was das Tierwohl-Desaster in Rimsing begleitete. Für die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Menschen nichts mitbekommen haben wollten oder tatsächlich nicht mitbekommen hatten von dem, was sich am Ortsrand von Rimsting abspielte. Die Tatsache auch, dass das Veterinäramt auch kein eingehenderes Interesse für den Hof entwickelte. Obwohl die Molkerei dem Landwirt die Lieferverträge gekündigt hatte. Wegen hygienischer Mängel.
Zwei Jahre auf Bewährung bekam der Landwirt aufgebrummt, eine hohe Geldstrafe dazu, ein fünfjähriges Verbot, Tiere zu halten. Und die Auflage, sich einer Therapie zu unterziehen. Schließlich soll er keinen Absturz wie den im Jahre 2023 mehr erleben. Da zeigte das Gericht Fürsorge, über deren Ausweitung man nachdenken sollte. Denn schließlich verraten Zeugenaussagen, Recherchen und weitere Vorfälle in der Region, wie das schnell gehen kann: dass Bauern aus Überlastung Kontrolle über ihre Höfe verlieren.
Michael Weiser