Rosenheim/Wasserburg/Bad Endorf/Halfing – Es war der 31. Mai, als ein Schock durch Deutschland ging. Mit einer 18 Zentimeter langen Klinge ging Sulaiman A. in Mannheim auf mehrere Menschen los. Dabei tötete er den 29-jährigen Polizisten Rouven Laur. In Folge des schrecklichen Angriffs entbrannte eine Debatte um das Verbot von Messern bei öffentlichen Veranstaltungen. Seit dem 31. Oktober ist hierzu die entsprechende Gesetzesänderung in Kraft, die das Mittragen von Messern bei Festen, Sportveranstaltungen und Co. verbietet.
Doch für Angriffe mit Stichwaffen benötigt es nicht unbedingt ein Messer, wie mehrere Vorfälle in diesem Jahr in der Region gezeigt haben. So beispielsweise, als in der Nacht zum 14. April ein 17-Jähriger nach einem Besuch beim Panger Volksfest stark blutend in der Nähe des dortigen Sportheims aufgefunden wurde. Der junge Mann hatte eine Stichverletzung. Bei der Waffe handelte es sich ersten Vermutungen zufolge um Glasscherben.
Eine ähnliche Situation trug sich am 21. Juli in Rosenheim zu. Am Bahnhof geriet ein 34-jähriger Peruaner mit einem 25-jährigen Rumänen aneinander. Der 25-Jährige verletzte seinen Kontrahenten dabei mit einer Stichwaffe – und zwar so schwer, dass dieser zur intensivmedizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Bei der Waffe handelte es sich einem Polizeisprecher zufolge um einen „Alltagsgegenstand“.
Einen Tag zuvor, am 20. Juli, kam es in einer Asylunterkunft in Grafing in der Gemeinde Halfing zu einer blutigen Auseinandersetzung. Dort ging ein 24-jähriger Afghane mit einer Bratpfanne und einem Cuttermesser auf einen 26-jährigen Somalier los. Die Folge: Eine Kopfverletzung und eine Stichwunde am Oberschenkel, die in einer Klinik versorgt werden musste.
Nur wenig später, am 10. August, kam es auch am Bahnhof, dieses Mal aber in Bad Endorf zu einem Angriff mit einem Messer. Ein Jugendlicher ging dabei auf einen 29-jährigen Marokkaner los. Er stach ihm mehrfach in den Bereich des Oberkörpers. Dabei erlitt er keine lebensgefährlichen Verletzungen, wurde aber zur Behandlung in einem nahegelegenen Krankenhaus stationär aufgenommen.
Der wohl dramatischste Angriff ereignete sich allerdings am 8. April. An diesem Tag wurde der 64-jährige Rainer Gerth, Oberarzt am Wasserburger kbo-Inn-Salzach-Klinikum, nach seinem Feierabend erstochen. Vermutlich im Wahn ging der 41-jährige Dominik S. auf den Arzt los.
Mit einem Küchenmesser stach er ihm in den linken Arm und die Brust. Durchbrach eine Rippe und traf das Herz. Gerth verstarb schließlich 61 Meter entfernt vom Tatort, nachdem er sich noch in Richtung seines Büros geschleppt hatte. S. konnte kurz darauf festgenommen werden. Die Häufung dieser Meldungen lässt den Eindruck entstehen, dass auch die Zahl der Angriffe steigt. Doch was ist dran an dieser subjektiven Empfindung?
Die Zahlen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sind hier recht eindeutig. 2020 lag die Zahl der Messerangriffe im Bereich des Präsidiums bei 85. 2021 waren es 56 und 2022 71 Messerangriffe. 2023 sank die Zahl auf 44 Angriffe.
Die Zahlen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zeigen allerdings, dass die Schwankungen in den vergangenen Jahren ähnlich waren. Demnach war keine Auffälligkeit feststellbar. Auch in der Stadt Rosenheim schwankt die Zahl stark – eine Tendenz in eine bestimmte Richtung ist allerdings nicht zu erkennen. Das bestätigt auch Michael Spessa, Pressesprecher im Präsidium Oberbayern Süd. „Es ist kein Trend feststellbar, dass die Hemmschwelle sinkt“, sagt er. Im Jahr 2020 gab es in der Stadt 13 Messerangriffe. Im Folgejahr waren es „nur“ drei. 2022 wurden dann wieder elf Angriffe gezählt und 2023 insgesamt fünf.Patricia Huber