Pflege macht arm, und zwar alle Beteiligten: Pflegebedürftige, die immer höhere Eigenanteile und Zuzahlungen leisten, während ihre Versorgung schlechter wird; Angehörige, die bis zur Selbstaufgabe pflegen; Beschäftigte, die immer noch kein angemessenes Gehalt beziehen; uns alle, deren Beiträge in der Pflegeversicherung immer weiter steigen.
Das Pflegesystem kollabiert seit Jahren vor sich hin. Mittlerweile ist die Versorgung in Pflegeheimen nahezu unbezahlbar: So müssen Pflegebedürftige in Bayern monatlich im Schnitt mehr als 2800 Euro in der stationären Versorgung zahlen – wenn sie überhaupt einen freien Platz finden.
Ohne pflegende Angehörige wäre das System längst am Ende: Vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, die meisten von ihnen durch die Angehörigen allein, ohne die Unterstützung von Pflegediensten.
Selbst in jeder weiterführenden Schulklasse ist mittlerweile ein Kind, das „nebenbei“ mit Pflege eines Angehörigen beschäftigt ist. Pflege funktioniert jedoch nicht nebenbei: Im Schnitt benötigt die Hauptpflegeperson 50 Stunden die Woche zur Pflege.
Von Regierungsseite wird das Problem seit Jahrzehnten ausgesessen. Während nun die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und damit auch altersbedingt ein weiterer Zuwachs an Pflegefällen zu erwarten ist, sind weder die Ampel noch die Vorgängerregierungen substanzielle Verbesserungen in der Pflege angegangen. Es fehlen schon jetzt mindestens 100000 Pflegekräfte.
Eine Reform des Pflegesystems ist also dringend nötig – und gar nicht so kompliziert. Zuerst fehlt es an Geld, da Spitzenverdienende nicht in die soziale Pflegeversicherung einzahlen müssen. Wir brauchen eine Kasse für alle. Außerdem muss die Beitragsbemessungsgrenze abgeschafft werden, die dafür sorgt, dass Reichere prozentual weniger zahlen.
Dann könnten wir in Deutschland eine Pflegevollversicherung ohne Eigenanteile etablieren, die ambulante Versorgung ausbauen und die Beschäftigten in den Pflegeberufen so finanzieren, dass wieder mehr in diesen Beruf einsteigen. Auch die Angehörigen benötigen für ihre Arbeit dringend finanzielle Unterstützung, damit sie für ihre aufopferungsvolle Arbeit nicht selbst in die Armutsfalle rutschen.