Bad Endorf – An ihrem grünen Glück arbeiten Franziska Haitzmann und Johannes Hirzinger aus Bad Endorf. Beide sind mit der Natur aufgewachsen: sie im Berchtesgadener Land, er im Bad Endorfer Ortsteil Oberrankham. Beide verbindet die Liebe zur nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft. Sie ist Expertin für Gartenbau, er für Agrarwirtschaft.
Streuobstwiesen, eine kleine Agroforstanlage und eine Gartenkommune haben sie schon. Jetzt arbeiten sie in Oberrankham an einer nachhaltige Kreislaufwirtschaft, wollen regionale Wertschöpfungsketten schaffen, um die Umwelt zu schonen und gesund zu leben. Neben der etablierten Bio-Hühnerhaltung bauen sie sukzessive den Gemüse- und Obstanbau aus, um das Sortiment in ihrem Hofladen zu ergänzen.
Garten-Warm-ups
und Bio-Saatgut
In diesem Jahr bieten sie auf ihrem Grund wieder Gartenparzellen an: Mit 20 Quadratmetern haben sie gerade die richtigen Anfänger-Größen, die für eine kleine Pacht pro Jahr für jeden erschwinglich sind. Damit auch jeder, der Lust darauf hat, sein eigenes Gemüse anzubauen, garteln kann, bietet Franziska Garten-Warm-ups, Saatgut und Pflanzen an – alles in Bio-Qualität. Im Bauwagen stehen alle erforderlichen Gartengeräte für die Gemeinschaft und eine Biertisch-Garnitur für Arbeitspausen bereit. Das Wasser fürs Gemüse stellt Agraringenieur Johannes bereit.
Streuobstwiese
und Agroforstanlage
So haben über ein Dutzend Familien in Oberrankham schon ihr grünes Glück gefunden. „Eine Familie pachtet in diesem Jahr nun sogar vier Parzellen. Sie wollen selbst so viel ernten, wie sie zum Leben brauchen, anstatt im Supermarkt in Plastik verpacktes Gemüse zu kaufen“, freut sich Franziska, mit ihrer Leidenschaft für den Bio-Gemüseanbau andere angesteckt zu haben. Noch stehen freie Parzellen zur Verfügung. Wer also mitgarteln und auch sein grünes Glück finden will, ist in der Oberrankhamer „Gartenkommune“ jederzeit willkommen. Direkt nebenan hat Johannes Hirzinger vor drei Jahren eine Liebhaber-Streuobstwiese angelegt. Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschgen und Kirschen. Letztes Jahr pflanzten Franziska und Johannes weitere 40 Bäume für eine kleine Agroforstanlage – darunter vor allem alte und aromatische Sorten. „Eine Agroforstanlage ist ein nachhaltiges System, in dem Gehölze (Forst) in Mischkultur mit Gemüse (Agro) wachsen dürfen“, erklärt die Gartenbauexpertin. Die Wühlmäuse, denen die Wurzeln der Obstbäume besonders gut schmecken, hat er mit natürlichen Mitteln vertrieben. Das Experiment, den organischen, stickstoffhaltigen Mist aus seiner Bio-Hühner-Haltung in ausreichendem Abstand zu den Bäumen auszubringen, hat Erfolg gezeigt.
Die Bäume gedeihen, und die Wühlmäuse sind weg. Nun denkt er über ein nächstes Projekt im natürlichen Kreislauf nach: Hühnermistpellets für Gärtner, denn die eignen sich als Volldünger für den Garten, vor allem natürlich die Gemüsebeete. „Für den Weg ins grüne Glück braucht man einen langen Atem, doch diese Vorleistung lohnt sich.“ Davon ist Franziska überzeugt und lässt sich auch von Herausforderungen nicht entmutigen. Neben der Arbeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin hat die 36-Jährige im vergangenen Jahr viel Schweiß in ihren Bio-Acker in Oberrankham gesteckt. Ein Großteil des Gemüses litt unter dem Hagel. Ihre Überzeugung aber nicht.
Ein Marktplatz der
Nachhaltigkeit
Sie macht weiter, mit dem Ziel, ihre Familie mit gesundem Obst und Gemüse sowie Kräutern selbst zu versorgen. Um genügend Gemüse für den Hofladen anzubauen, holt sich Franziska in diesem Jahr Unterstützung von freiwilligen Praktikanten – sogenannten WOOFern – auf den Hof, um der Mehrarbeit vom Bio-Gemüseanbau gerecht zu werden. Der Hofladen der Hirzingers ist schon jetzt ein Marktplatz der Nachhaltigkeit. Hier gibt es die Bioprodukte der Tagwerk-Genossenschaft: Molkereiprodukte und Eier von den eigenen Hühnern, Fleisch, Obst und Gemüse sowie haltbare Lebensmittel. „Alles kontrolliert ökologisch und regional produziert sowie handwerklich verarbeitet“, erklärt Johannes (43) das Konzept. Unnötig weggeworfen wird hier nichts. Alternativ kommt es für den kleinen Preis in die „Retter-Kiste“.
Aus ihrer Zeit als Unverpacktladen-Besitzerin hat Franziska die Idee der Bücherecke mit nach Rankham genommen, damit Ausgelesenes in den literarischen Kreislauf kommt. Jetzt starten Franziska und Johannes ihr neuestes Nachhaltigkeitsprojekt: eine Kleidertauschbörse. „Um unsere Ressourcen und Geldbeutel zu schonen“, sagt Franziska. Ihr Wunsch ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen: „Wer ein gut erhaltenes, aussortiertes Teil bringt, kann ein anderes Teil mitnehmen.“
So gewinnt gebrauchte Kleidung, die für den einen an Attraktivität verloren hat, beim nächsten wieder an Wert. „Und wir steuern Überfluss und Verschwendung entgegen“, argumentiert Franziska. Verbunden ist die Kleider- mit einer Saatguttauschbörse. „Wer Saatgut teilen und mehr Vielfalt mag, kann es bei und mit uns tauschen.“
Kleiderkreisel ist
das neueste Projekt
Die Kleiderkreisel finden seit diesem Jahr an jedem ersten Sonntag im Monat, von 13 bis 15 Uhr, statt – der nächste also am kommenden Sonntag, 2. Februar. Im Hofladen in Oberrankham gibt es während der Tauschbörse auch Kaffee, frisch gebackene Waffeln und gute Gespräche. Weitere Informationen über die Projekte von Franziska und Johannes sind auf www.unser-gruenesglueck.de beschrieben.