Ein Experte für große Verbrechen und tragische Unglücksfälle übernimmt

von Redaktion

Richter Bartschmid (61) leitet die neue Berufungskammer in Traunstein – Große Erfahrung durch 20 Jahre in zwei Großen Strafkammern

Traunstein – Bis Ende 2024 urteilten neun Strafkammern über erstinstanzliche Verfahren beziehungsweise Berufungen gegen Entscheidungen der Amtsgerichte Altötting, Laufen, Mühldorf, Rosenheim und Traunstein. Seit Januar 2025 bearbeitet die vergangenes Jahr ins Leben gerufene „Zehnte Strafkammer“ mit Vorsitzendem Richter Andreas Bartschmid an der Spitze ausschließlich Berufungen – und zwar aus allen Amtsgerichtsbezirken.

Ruhige und
ausgeglichene Art

Der 61-Jährige ist ein erfahrener Berufsrichter, gehörte mehr als 20 Jahre zwei Großen Strafkammern an – der Zweiten und der Fünften Strafkammer, auch Schwurgericht genannt. In den über zwei Jahrzehnten stand Andreas Bartschmid in seiner ruhigen, ausgeglichenen Art den Vorsitzenden Richtern Karl Niedermeier, Erich Fuchs und Volker Ziegler zur Seite. In dieser Zeit mussten die Zweite und die Fünfte Strafkammer neben großen Verbrechen auch tragische Unglücksfälle in Südostbayern juristisch bewerten. Beispiele sind der Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall am 2. Januar 2006 mit 15 Todesopfern und vielen Verletzten, der Großbrand in Schneizlreuth im Jahr 2015 mit sechs Todesopfern und 18 Verletzten sowie das schreckliche Bahnunglück im Landkreis Rosenheim vom Februar 2016 mit zwölf Toten und 85 ebenfalls teils massivst Verletzten. Mordverbrechen, darunter drei Doppelmorde in Prien, Aschau und Traunreut, eine „zerstückelte Leiche“ in Bergen, der Mord an einem Supermarkt in Prien und eine monatelang in einem Schrank versteckte Leiche in Traunstein, mussten die Kammern bis ins Detail beleuchten.

Bartschmid wurde bereits am 21. Oktober 2024 vom „Richter am Landgericht“ zum „Vorsitzenden Richter“ befördert. In den Wochen danach wurden die Berufungskammern am Landgericht komplett umstrukturiert. Vier Strafkammern – die Dritte, die Vierte, die Achte und die Neunte – waren bis Ende 2024 mit Berufungsverfahren befasst. Sie bearbeiteten jeweils Verfahren aus den ihnen zugewiesenen Amtsgerichten in Altötting, Laufen, Mühldorf, Rosenheim und Traunstein. Mit dem neuen Turnus ab 1. Januar 2025 fiel die Neunte Strafkammer ganz heraus. Sie ist jetzt ausschließlich mit erstinstanzlichen Verfahren betraut. Zeitgleich nahm die Zehnte Strafkammer ihre Tätigkeit in vollem Umfang auf. Eingehende Berufungsverfahren werden den jetzt wieder vier Kammern zugelost. Im Verhältnis entfallen auf die Dritte Strafkammer und die Zehnte Strafkammer je zwei Verfahren. Die Vierte und die Achte Strafkammer übernehmen jeweils ein Verfahren, haben sie doch beide nur ein „halbes Berufungsreferat“. Der Grund: Die Vorsitzenden Richterinnen erfüllen zusätzlich andere wichtige Aufgaben innerhalb der Traunsteiner Justiz. Andrea Titz ist Vize-Landgerichtspräsidentin, Dr. Theresa Steinberger-Fraunhofer leitet außerdem eine Strafvollstreckungskammer.

Wurzeln in München
Traunstein im Herzen

Der 1963 in München geborene Andreas Bartschmid wuchs in Pullach im Isartal auf. Nach dem Abitur 1983 am dortigen Gymnasium absolvierte er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen trat er im April 1993 in die Dienste der bayerischen Justiz – als „Richter auf Probe“ in der Siebten Zivilkammer am Landgericht Traunstein. Weitere Stationen folgten in seiner Laufbahn. Seinen ursprünglichen Plan, sich nach ein bis zwei Jahren wieder nach München versetzen zu lassen, gab Bartschmid schnell auf: „Die liebenswerte und schöne Stadt Traunstein hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Der freundlich-kollegiale Umgang in den Gerichten und mit den Anwälten hat sich wohltuend von den Umgangsformen in München abgehoben.“ Nachdem Bartschmid noch seine Frau Dorothea, inzwischen auch seit vielen Jahren Richterin am Landgericht, von Coburg nach Traunstein „gelockt“ hatte, war der Verbleib im Chiemgau keine Frage mehr. Der Dienstort Traunstein bot für das Ehepaar den großen Vorteil, Beruf und Familie ideal miteinander vereinbaren und sich gemeinsam um die beiden Töchter kümmern zu können. Die Freizeit verbringt der 61-Jährige nach seinen Worten gerne im Kreis der Familie, in der Natur beim Wandern, beim Radfahren und Beobachten von Tieren. Insbesondere interessiert ihn die heimische Vogelwelt. kd

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