Im zweiten Anlauf habe ich nun doch den TÜV für meinen geliebten blauen Beetle bekommen. Nach 20 Jahren werden bei so einem alten Auto die Blessuren einfach immer mehr. Die Fehlermeldungen lagen nicht nur beim Licht und bei den Bremsen, auch der Rost schickte von unten seine Grüße. Grundsätzlich sehe ich ja ein, dass eine Überwachungsbehörde darauf achtet, ob unsere Autos auf den Straßen noch einigermaßen sicher fahren. Nur mein eigenes sollte nicht aus dem Verkehr gezogen werden. So einen TÜV gibt es nicht nur fürs Auto, sondern als allgemeinen Gesundheitscheck beim Hausarzt auch für unseren Körper.
Wie schaut es dagegen mit dem TÜV für unsere Seele aus? Den gibt es nicht, denn das ist zu komplex und vor allem eine sehr persönliche Sache jedes Einzelnen. Hier reicht auch kein nüchterner Faktencheck wie beim Auto. Vielleicht ist es aber trotzdem bedeutsam, unserem Innenleben Aufmerksamkeit zu schenken. Wir geben im Alltag manchmal das Äußerste, erreichen aber nicht mehr unser Herz. Unser Dasein ist dann wie ein vollgestopfter Koffer, der aus allen Nähten platzt. Mit so einem Gepäck wird eine Lebensreise auf die Dauer mühsam. Die Fastenzeit will uns in den kommenden 40 Tagen nicht einschränken, sondern zu einem wirklichen Leben mit Tiefgang befreien. Den Blick auf den Seelen-TÜV muss dabei jeder selbst wagen. Auch hier muss manche Bremse eingelegt und überprüft werden, ob man noch dem richtigen Licht hinterherfährt. Möglicherweise hat sich zudem mancher Rost auf kostbare Freundschaften und Beziehungen gelegt, die etwas mehr Pflege und Liebe brauchen.