Vor Kurzem habe ich beim Ausräumen eine kleine Schale aus Ton gefunden, die ich während meiner Schulzeit selbst getöpfert hatte. Etwas unrund und nicht ganz symmetrisch, ist diese Schale wirklich kein Meisterstück geworden. Dennoch habe ich sie aufbewahrt, denn sie erinnert mich an meine ersten kläglichen Versuche an der Töpferscheibe. Was in den Händen der Lehrerin so leicht aussah, wurde für uns Anfänger zur Herausforderung. Beim Töpfern auf der Töpferscheibe muss der Tonklumpen zuerst in der Mitte „zentriert“ werden. Wenn dieser erste wichtige Arbeitsschritt nicht gelingt, wird es hinterher schwer, ein Gefäß weiter zu bearbeiten. Wenn man keine richtige Mitte hat, wird das einfach nichts mehr. Mit uns Menschen ist das nicht anders. Wenn wir unsere innere Mitte verlieren, hebt uns das Leben schnell aus den Angeln. Wir brauchen eine Mitte, sozusagen einen Bezugspunkt, der uns in all den Stürmen und Unsicherheiten zur Ruhe kommen lässt. Aus dieser Mitte heraus, können wir unserem Leben dann eine kunstvolle Gestalt geben, wie die Töpfermeisterin dem schlichten Klumpen Ton auf der Töpferscheibe. „Wir sind der Ton, du bist unser Töpfer und wir alle sind deiner Hände Werk“, heißt in einem Vers von Jesaja in der Bibel. Vertrauensvoll können wir demnach unser Leben in Gottes Hand geben, wenn er unsere Mitte ist. Die getöpferte Schale aus meiner Schulzeit werde ich dennoch behalten, auch wenn sie von einem perfekten Werkstück meilenweit entfernt ist. Damit passt sie gut zu mir. Unser menschliches Leben bleibt immer unvollkommen. Aber selbst unsere Schieflagen dürfen wir getrost in Gottes Hand geben. Er kann auch daraus noch etwas Gutes formen.