Motto „Hinsehen statt wegschauen“

von Redaktion

Trachtenvereine sensibilisieren gegen sexuelle Gewalt

Kolbermoor – Die Prävention sexueller Gewalt in Vereinen stand im Mittelpunkt eines Vortrags, zu dem sich die Jugendleiter der Inngau-Trachtenvereine im Vereinsheim des Trachtenvereins „D’Mangfalltaler“ trafen. Wie Gauvorstand Pankraz Perfler in seinen Begrüßungsworten betonte, sei dies „ein Thema, das uns alle treffen kann – keiner ist davor gefeit“. Er dankte dabei ausdrücklich Gaujugendleiterin Johanna Schweinsteiger und ihrem Stellvertreter Rupert Mehringer, die das Thema in das Bewusstsein der Vereine gerückt hatten.

Referentin des Abends war Monika Bacher von der Caritas-Erziehungsberatungsstelle in Rosenheim, die zunächst grundlegende Informationen zu sexueller Gewalt sowie den entsprechenden Paragrafen im Strafrecht vermittelte. Besonders alarmierend waren dabei die präsentierten Zahlen: Demnach ist jedes siebte Mädchen – sogar jedes dritte Mädchen, wenn das Dunkelfeld berücksichtigt wird – sowie jeder zwölfte Junge (im Dunkelfeld jeder siebte) vor seinem 18. Lebensjahr von sexueller Gewalt betroffen. Über 80 Prozent der Täter kommen aus dem sozialen Nahfeld, zu dem auch Vereine zählen.

Ferner erläuterte Bacher Strategien der Täter sowie Folgen für ihre Opfer. Oft würden diese erst Jahre später sichtbar. Besondere Aufmerksamkeit sei geboten, wenn ein Kind plötzlich sein Verhalten ändere, Geheimnisse habe oder auffällig viel Zeit allein mit einem Betreuer oder einer deutlich älteren Person verbringe.

Zur Prävention empfahl die Referentin, von allen Personen, die Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben, ein Führungszeugnis einzufordern. Dies diene vor allem der Abschreckung und signalisiere potenziellen Tätern, dass im Verein genau hingeschaut werde. Ebenso hilfreich sei ein klarer Verhaltenskodex. Bacher appellierte: „Unsere Verantwortung ist es, hinzusehen, statt wegzuschauen! Hört auf Euer Bauchgefühl – das täuscht oft nicht.“

Weiterhin empfahl sie Vereinen, einen Handlungsplan zu erarbeiten. „Wenn etwas passiert, ist man in der Regel erst mal überfordert. Hier hilft es, wenn man genau weiß, was nun zu tun ist und an wen man sich wenden kann“, erklärte Bacher. Informationen hierzu seien etwa auf der Webseite des Projekts „Prätect“ des Bayerischen Jugendrings erhältlich. Zudem wies Bacher auf die Möglichkeit hin, einen Kinderschutzbeauftragten zu benennen. Schulungen könnten unter anderem bei der Caritas absolviert werden. Für die Bayerische Trachtenjugend sei Markus Hochlahner als Kinderschutzbeauftragter tätig.

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