Trauer um einen nahbaren Papst

von Redaktion

Papst Franziskus ist am Ostermontag im Alter von 88 Jahren in Rom verstorben. Auch in der Region erinnern sich Menschen an Begegnungen mit dem Kirchenoberhaupt. Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer und Aschaus Tourismus-Chef Herbert Reiter haben Franziskus persönlich getroffen. Das sind ihre Erinnerungen an den verstorbenen Papst.

Bad Endorf/Aschau – Christen auf der ganzen Welt trauern um das Oberhaupt der katholischen Kirche. Papst Franziskus (88) starb in den Morgenstunden des Ostermontags im Vatikan. Noch am Tag zuvor hatte er vom Balkon des Petersdoms den Segen Urbi et Orbi gesprochen – sichtlich von Krankheit gezeichnet. Medienberichten zufolge soll es aber sein Wunsch gewesen sein, sich den Gläubigen zu zeigen.

Eine ganz besondere
Hochzeitsreise

Auch in der Region ist die Anteilnahme groß. Besonders jene, die das Kirchenoberhaupt persönlich kennengelernt hatten, erinnern sich an den Moment, als sie dem Heiligen Vater gegenüberstanden. So auch Alois Loferer, Bürgermeister der Marktgemeinde Bad Endorf. Kurz nach der kirchlichen Trauung am 18. Mai 2013 reisten Alois und Cosima Loferer nach Rom. Es war ihre Hochzeitsreise. „Es war wirklich sehr besonders“, erinnert sich Alois Loferer.

Das Brautpaar hatte sich bereits Monate zuvor für eine Mittwochsaudienz angemeldet. Damals sei noch Benedikt XVI. Papst gewesen. „Wir haben dann von einer Besonderheit für Brautpaare gelesen und uns dafür angemeldet.“ Denn: Frisch vermählte Paare können sich den sogenannten Sposi-Novelli-Segen von dem Heiligen Vater geben lassen und dafür in einem besonderen Bereich sitzen. Dafür müssen die Paare allerdings in voller Montur, also mit Hochzeitskleid und -anzug, erscheinen. Was die Loferers zum Zeitpunkt der Anmeldung noch nicht wussten: Es wird nicht Benedikt XVI. sein, der ihnen den Segen spendet, sondern Franziskus.

„Es war ein einzigartiges Erlebnis“

Am 22. Mai 2013 war es dann so weit. Das Paar warf sich in Schale und machte sich auf den Weg zum Petersdom – mit der U-Bahn. „Wo wir hinkamen, wurden wir mir Jubelrufen und Glückwünschen begrüßt“, erinnert sich Loferer. Im Vatikan angekommen, erhielten die Loferers mit etwa 40 anderen Brautpaaren eine Privataudienz bei Papst Franziskus. Sie wechselten ein paar Worte auf Deutsch mit dem Kirchenoberhaupt und erhielten seinen Segen. „Das war ein einzigartiges Erlebnis, das uns zusammenschweißt.“

Die Nachricht über das Ableben von Franziskus habe das Paar überrascht und traurig gestimmt. Das Besondere an Franziskus sei für sie, dass er als Papst einerseits eine Autoritätsperson gewesen sei, dass er andererseits jedoch sehr nahbar auftrat. „Er hat eine wohltuende Frische in den Vatikan gebracht“, findet Alois Loferer.

Auch Herbert Reiter, Tourismus-Chef in Aschau, erinnert sich gerne an sein Treffen mit Papst Franziskus. Zusammen mit seinem Bruder Claus waren die Aschauer am 8. Mai 2019 bei der Generalaudienz mit dem Heiligen Vater auf dem Petersplatz in Rom – und hatten dafür Ehrenkarten. Für Reiter eine unvergessliche und einzigartige Erfahrung.

In Tracht zum
Heiligen Vater

„Wir trugen unsere Hohenaschauer Tracht, und während der Audienz schenkte uns der Heilige Vater schon einen Gruß und winkte zu uns her.“ Nachdem er Franziskus die Hand geschüttelt hatte, überreichte Reiter ihm ein kleines Geschenk aus seiner Heimat: ein Miniatur-Bankerl aus Aschau. Für Reiter ist 2019 ein Traum in Erfüllung gegangen. Für ihn war es das erste Mal, dass er den Pontifex getroffen hat. „Und es wird sicherlich auch das einzige Mal im Leben bleiben, einem Papst persönlich zu begegnen. Wann hat man schon die Möglichkeit, dem Bischof von Rom und Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche die Hand zu schütteln?“

Franziskus war für Reiter „ein großer Papst“ – ein Vorbild an Bescheidenheit, ein Mahner gegen Dekadenz und Verschwendung, ein Fürsprecher der Armen und der Schöpfung, so sagt er. „Für all das schätzte ich ihn sehr.“ Als ihn die Nachricht von Franziskus Tod erreichte, wurden die Erinnerungen wach. „Ich bin erfüllt von Dankbarkeit, dass ich diesem außergewöhnlichen Menschen persönlich begegnen durfte und ihm die Hand schütteln konnte.

Der Wunsch nach
einem Brückenbauer

Voller Spannung blicken nun die Katholiken nach Rom: Wen werden die Kardinäle als Franziskus Nachfolger wählen? „Ich würde mir einen Papst wünschen, der nicht nur Hirte, sondern auch Brückenbauer ist. Ein Sympathieträger, der mit offenen Armen die Welt mitnimmt. Möge er die Menschen im Dialog erreichen, mit Empathie, einer nahbaren, menschlichen Haltung und dem festen Willen, Frieden zu fördern“, so Herbert Reiter.

Auch die Loferers sind gespannt, wer beim bevorstehenden Konklave gewählt wird. Denn die Familie plant auch in diesem Jahr wieder eine Reise nach Rom – diesmal mit den Kindern. In den Pfingstferien soll es losgehen. Inklusive Besuch im Vatikan. „Wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin einen neuen Papst. Auch diesmal wieder ein anderer, als wir angenommen hatten“, sagt Alois Loferer.

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