Rosenheim – Aufregung in Rosenheim am gestrigen Maifeiertag: Mehrere, teils vermummte, Personen drangen am Vormittag in ein leer stehendes Haus in der Rosenheimer Innenstadt ein und besetzten es rechtswidrig. Der Vorfall ereignete sich gegen 11 Uhr in einem mehrstöckigen Gebäude Am Salzstadel. Im weiteren Verlauf zündeten die Aktivisten, die der Gruppe „Rosenheim besetzen“ angehören, von mehreren Fenstern des Hauses aus Rauchkörper und brachten Plakate, unter anderem mit der Aufschrift „Wohnraum für alle“, an der Fassade an.
Anzeige wegen
Hausfriedensbruchs
Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Rosenheim sowie umliegender Dienststellen wurden in die Innenstadt beordert. Vor dem Gebäude versammelten sich bis zu 20 Personen, die erklärten, die Hausbesetzung zu unterstützen. Offenbar hatten die Aktivisten von „Rosenheim besetzen“ vorab über soziale Medien dazu aufgerufen, sich solidarisch zu zeigen und zur Unterstützung vor Ort zu erscheinen. In einem Post in den sozialen Medien warb die Gruppe sogar mit „Kaffee, Kuchen und Kinderschminken“ – offenbar, um möglichst viele Menschen für den Protest zu mobilisieren. Die Versammlung vor dem Gebäude wurde von der Polizei betreut. Die Lage blieb jedoch den Nachmittag über ruhig. Der Eigentümer des Gebäudes erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Unter der Einsatzleitung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wurden weitere Unterstützungskräfte aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd, dem Polizeipräsidium München sowie der Bereitschaftspolizei hinzugezogen. Speziell geschulte Beamte versuchten nach Angaben der Polizei zunächst, mit den Aktivisten zu verhandeln und sie zum friedlichen Verlassen des Gebäudes zu bewegen.
Da diese Versuche erfolglos blieben, betraten gegen 16.15 Uhr Einsatzkräfte des Unterstützungskommandos der Bereitschaftspolizei das Gebäude und nahmen zwei Personen vorläufig fest. Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um eine junge Frau und einen jungen Mann im Heranwachsendenalter, beide deutsche Staatsangehörige. Sie wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Verletzt wurde bei dem Einsatz nach Polizeiangaben niemand. Kurzzeitig kam es zu Verkehrsbehinderungen rund um den Einsatzort. Die Kriminalpolizei Rosenheim hat die weiteren Ermittlungen übernommen.
„Stadt toleriert
Besetzung nicht“
Die Stadt kritisierte das Vorgehen der Aktivisten gestern. „Die Stadt Rosenheim toleriert die Hausbesetzung nicht. Wir setzen auf den Rechtsstaat und darauf, dass er die richtigen Maßnahmen ergreift“, sagte Pressesprecher Christian Baab auf OVB-Anfrage.
Auch bei Passanten stieß die Aktion auf Kritik: „Wegen dieser paar Hanseln so eine Aufregung. Die armen Beamten müssen jetzt bei der Hitze und am Feiertag aufpassen, dass denen nichts passiert“, sagte ein älterer Passant kopfschüttelnd.
Die Linke Rosenheim erklärte sich hingegen solidarisch mit den Aktivisten. Das seit Jahren leer stehende, mittlerweile entkernte Gebäude wird laut Parteiangaben derzeit online zum Verkauf angeboten. Die Besetzer fordern, dass die Stadt das Haus kauft und dort bezahlbaren Wohnraum schafft. Martin Bauhof, Kreisvorsitzender der Linken, erklärte: „In Rosenheim sind die Mieten im letzten Jahr stärker gestiegen als in München. Viele Menschen haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Die Stadt muss handeln.“ Auch der Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Ates Gürpinar äußerte sich: „Es braucht einen bundesweiten Mietendeckel. Wohnen darf kein Luxus sein.“ rok