Oberaudorf/Bayrischzell/Brannenburg – „Ich fahre jetzt um 10.30 Uhr vom Tatzelwurm rauf zum Kaffeetrinken und muss dann auf gleicher Strecke zurück, weil ich nicht mehr auf der Miesbacher Seite herunterfahren darf – ein Unsinn.“ So beschreibt der Rosenheimer Motorradfahrer Axel Reber seine ersten Erfahrungen mit der einseitigen Sperre für Motorradfahrer am Sudelfeld. Seit Donnerstag, 1. Mai, dürfen die Biker nicht mehr zwischen 11 und 21 Uhr vom beliebten Treffpunkt am Parkplatz Tatzelwurm über die Passstraße nach Bayrischzell fahren. Andersherum ist es noch erlaubt.
Aus diesem Grund richteten sich Reber und seine Freunde am Feiertag genau nach der Uhr. Genauso wie einige andere Fahrer, die „jetzt, wo wir die Sperrzeit-Regel kennen”, ihre Touren anpassen mussten. Die Biker sind davon nicht begeistert. „Ich würde gerne dagegen klagen, aber das geht ja kaum, da es sich nur um einen zweijährigen Test handelt”, sagt Reber. Tatsächlich gilt die Regelung der beiden Landratsämter Rosenheim und Miesbach „nur“ für die Sommersaison 2025 und 2026. Dann sollen die Daten neu ausgewertet werden, um zu sehen, ob die Unfallzahlen tatsächlich zurückgehen. Die Argumentation leuchtet einigen Motorradfahrern ein, auch denen, die am 1. Mai unterwegs waren. Trotzdem ist der Unmut groß. „Denn die meisten von uns fahren ordentlich. Wegen einiger Spinner müssen nun alle darunter leiden”, meint die Rosenheimer Motorradgruppe, bevor sie noch rechtzeitig zum Kaffee in Richtung Pass aufbrach. Bei allen Fahrern ist die neue Sperre jedoch noch nicht angekommen. So schien das Sperrschild auf Höhe des Tatzelwurms einige zu überraschen. Die meisten Fahrer zögerten, wurden kurz langsamer und fuhren anschließend trotzdem weiter. Ob die Polizei bereits am ersten Tag kontrollierte und wie viele Fahrer genau sich nicht an die neue Sperre hielten, wollten die Beamten nicht sagen. „Die Lage nach einem Tag zu beurteilen, wäre nicht repräsentativ“, meint Daniel Katz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Oberbayern Süd auf OVB-Anfrage. Wie bereits angekündigt, werde man jedoch künftig „lageangepasst” und „im Rahmen der ganzheitlichen Verkehrssicherheitsarbeit“ kontrollieren. Die aktuellen Daten der Polizei gehen somit auf die Zeit vor der Sperre zurück. Von Sonntag, 27. April, bis Dienstag, 29. April, meldete die Polizeiinspektion Brannenburg drei heftige Unfälle auf der Passstraße. Sowohl ein 31-jähriger Österreicher als auch ein 23-jähriger Rosenheimer fuhren dabei mit ihren Motorrädern zu schnell in eine der engen Kurven und verloren die Kontrolle. „Beide wurden glücklicherweise nur leicht verletzt“, heißt es vonseiten der Polizei. Besonders brisant: Der gestürzte Österreicher, der am Sonntag, 27. April, für eine zweistündige Vollsperrung sorgte, war bereits vor drei Jahren an der nahezu identischen Stelle zu Fall gekommen. Am Dienstagabend wurde außerdem ein „brandneuer Tesla“ zu Schrott gefahren.
Korbinian Sautter