Nun laufen die Vorbereitungen für die Gedenkfeiern zum Kriegsende am 8. Mai 1945. Aus den Erzählungen meines verstorbenen Vaters weiß ich aber, dass der Hunger an diesem Tag nicht zu Ende war. 1946 wurde für die Sudetendeutschen dann zu einem traumatischen Schicksalsjahr, in dem viele ihre Heimat zum letzten Mal gesehen haben. Bundespräsident Richard von Weizsäcker meinte einmal, dass es „damals keine Stunde null gegeben habe, sondern lediglich einen Neubeginn.“ Allein das ist für mich das Gedenken wert, denn es muss einen Punkt geben, an dem nicht mehr geschossen wird, an dem man wieder ohne Angst auf die Straße gehen kann und es irgendwie einen neuen Anfang gibt. Eine verlässliche „Stunde null“ ersehnen wir momentan für die Menschen an mehreren Orten unserer geplagten Erde. Eine „Stunde null“ gibt es manchmal auch in unseren Lebensgeschichten. Einschnitte wie Unfälle mit bleibenden Veränderungen, plötzliche Trennungen, oder der Zusammenbruch der eigenen Firma, der man seine ganze Lebensenergie geschenkt hat, sind erst einmal wie eine Kapitulation. In der seelsorgerlichen Begleitung kann man das nicht aufheben, sondern nur an der Seite der Menschen bleiben und sie in der „Stunde null“ nicht alleinlassen. Diese ist aber immer schon der zarte Punkt eines Neubeginns, wenn auch lange noch nicht spürbar. Sichtbar wird das erst im Rückblick auf diese schwere Zeit. An Ostern war das bei den Freunden Jesu nicht anders. Der Neuanfang begann durchaus nicht mit einem überschwänglichen Halleluja. Auferstehung aus dem Dunkel beginnt auch heute mit dem Vertrauen auf Gottes Kraft und Liebe, aus der neues Leben wachsen kann.