Fischbachau – Knapp eine Woche ist es nun her, dass Großbrände auf zwei landwirtschaftlichen Anwesen in Hundham bei Fischbachau (Landkreis Miesbach) rund 300 Feuerwehrkräfte aus der Region stundenlang gefordert hatten. Die verheerende Bilanz der beiden Großfeuer: ein verletztes Feuerwehrmitglied, vier tote Kälber und ein Sachschaden in Millionenhöhe. Die Befürchtung: Ein Feuerteufel könnte absichtlich auf den beiden Bauernhöfen die Brände gelegt haben. Doch Belege dafür gibt es nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bislang nicht.
Am späten Montagabend, 30. Juni, war der Integrierten Leitstelle Rosenheim zunächst ein Feuer auf einem Bauernhof an der Leitzachtalstraße im Herzen von Hundham gemeldet worden, woraufhin sich zahlreiche Feuerwehren in Richtung des Fischbachauer Gemeindeteils aufmachten. Die Familie, die den Hof bewohnte und bewirtschaftete, konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Vier Kälber verloren bei dem Brand aber ihr Leben. Das Anwesen wurde nahezu vollständig zerstört, der Schaden bewegt sich laut Polizei in einem hohen sechsstelligen Bereich.
Noch während der Löscharbeiten in der Dorfmitte kam es dann nur 900 Meter vom ersten Einsatzort entfernt auf der Leitzachtalstraße in Richtung Dürnbach zu einem weiteren Feuer auf einem landwirtschaftlichen Anwesen. Der Sohn des Hofbesitzers, der dort für seinen Vater, der sich derzeit im Krankenhaus befindet, die Stellung hielt, konnte sich, seine Freundin und ein Kleinkind in Sicherheit bringen. Der Feuerwehr gelang es außerdem, das Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus zu verhindern. Ein Nebengebäude sowie dort untergestellte landwirtschaftliche Geräte wurden zerstört, den Schaden bezifferten die Ermittler auf einen niedrigen sechsstelligen Betrag.
Bürgermeister betont den Zusammenhalt
Aufgrund der zeitlich und räumlich geringen Distanz zwischen den beiden Brandorten kam im Dorf schnell die Befürchtung auf, dass ein Brandstifter dort Feuer gelegt hatte. „Das ist eine mögliche Annahme. Ich hoffe natürlich, dass es nicht so ist“, äußerte sich jüngst auch Fischbachaus Bürgermeister Stefan Deingruber (CSU) zu den dramatischen Vorfällen in seiner Gemeinde. An „weiteren Mutmaßungen“ wolle er sich aber nicht beteiligen, so der Rathauschef auf OVB-Anfrage.
Stattdessen hob er die Hilfsbereitschaft in der Region hervor, die die beiden betroffenen Familien nach den dramatischen Stunden erfahren hätten. Auch die Kommune habe in Hinblick auf eine Unterbringung der Familie, deren komplettes Zuhause zerstört worden ist, eine angeboten, die Familie sei aber letztlich anderweitig untergekommen. „Das Leitzachtal ist ein Tal, das einfach zusammenhält“, zeigte sich Deingruber von den Hilfsangeboten überwältigt. Was nach Einschätzung des CSU-Politikers auch nicht der Regelfall sei: „Ich glaube schon, dass hier in dieser Tallage die Menschen eine besonders eingeschworene Gemeinschaft bilden.“
Und dennoch könnte es innerhalb der Gemeinschaft jemanden geben, der ohne Rücksicht auf Leib und Leben sowie Hab und Gut der Landwirte Feuer legt. Belege dafür gibt es aber weiterhin keine, wie Polizeisprecher Daniel Katz auf OVB-Anfrage erklärte. So seien sowohl Brandstiftungsdelikte, aber auch technische Defekte möglich. Oder sogar beides. „Wir ermitteln in alle möglichen Richtungen“, so der Polizeisprecher. „Beide Brände werden als Einzelfälle betrachtet, aber auch auf mögliche Zusammenhänge untersucht.“
Hinweise von Bürgern haben die Ermittlungen nach Angaben von Daniel Katz bislang nicht weitergebracht. „Wir haben sehr viele Hinweise aus der Bevölkerung bekommen“, verriet der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am gestrigen Montag gegenüber dem OVB. Allerdings sei da auch „viel Spekulatives“ dabei gewesen. „Eine heiße Spur oder hilfreiche Erkenntnisse haben sich bislang daraus nicht ergeben“, stellte Katz daher klar.
Parallel zu den Ermittlungen der Kriminalpolizei Miesbach ist nun auch die Staatsanwaltschaft München II mit dem Brandgeschehen in Hundham befasst. Denn wie die Tierschutzorganisation PETA zum Wochenstart in einer Presseaussendung mitteilte, hat sie aufgrund der vier beim Brand getöteten Kälber Strafanzeige gestellt. „Noch immer sind unzureichende Brandschutzmaßnahmen ein häufiger Grund dafür, dass Tiere in Ställen qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen“, teilte die Organisation dazu mit. „Jährlich sterben so Zehntausende Tiere bei Stallbränden, weil selbst die mangelhaften gesetzlichen Vorgaben nicht eingehalten werden.“
PETA: Tod „billigend in Kauf genommen“
Des Weiteren wird in der Pressemitteilung PETA-Fachreferentin Julia Weibel zitiert, die anprangert, dass der Tod von Tieren, die bei Stallbränden aufgrund „mangelnder Brandschutzmaßnahmen“ sterben, „billigend in Kauf genommen“ würde. Weibel: „Die Politik ist gefragt, gesetzliche Regelungen zu verschärfen, um die Tiere vor dem Verbrennen zu schützen. Auch Verbraucher können etwas gegen solch schreckliche Vorfälle tun. Denn würden alle Menschen vegan leben, wäre das nicht passiert.“
Gegen wen sich die Strafanzeige letztlich richtet, konkretisierte Weibel schließlich auf OVB-Nachfrage. „Unsere Strafanzeige richtet sich gegen Unbekannt“, so die Fachreferentin. „Ob sich jemand strafrechtlich zu verantworten hat – und wenn ja: wer – soll durch die Staatsanwaltschaften geprüft werden.“ PETA erstattet nach Angaben von Weibel „immer wieder Anzeige bei Stallbränden, um zum einen das öffentliche Interesse an einer gründlichen Ermittlung deutlich zu machen“. Zum anderen gehe es der Organisation darum, „die Staatsanwaltschaften auch auf Vorgaben und Strafvorschriften zum Tierschutzrecht aufmerksam“ zu machen.