Rosenheim – „Ausbildung ohne Bildung führt zu Wissen ohne Gewissen.“ Mit diesen Worten würdigte Stefan Pauler beim Festakt „50+1“, zu dem die Schulleiter Christiane Elgass und Christian Melchner gut 100 Gäste begrüßen konnten, die Leistung des 1974 gegründeten „Berufsschulzentrum 2“ bei der Wertevermittlung.
Werte seien neben Wissen wichtiger Bestandteil der Demokratie, ebenso die Umweltbildung. Besonders hob der stellvertretende Bereichsleiter Schulen der Regierung von Oberbayern die Auslandsaufenthalte hervor, die Schülern die Möglichkeit geben, andere Länder der EU kennenzulernen.
Was mit den durch das „Erasmus+-Programm“ der EU geförderten Auslandsaufenthalten erreicht werden soll, erklärte die Lehrerin Pia Großmann beim Tag der offenen Tür den Besuchern.
Theorie und Praxis verzahnt zum Erfolg
Zunächst gehe es um die englische Sprache, wie sie international verwendet werde. Nicht nur auf der Schulbank, sondern auch bei Betriebspraktika würden die Schüler ihre Englischkenntnisse anwenden und verbessern, und dies nicht nur in Irland, sondern auch in Ländern wie Dänemark und Griechenland, wo die Kommunikation ebenfalls auf Englisch erfolge. Ein weiteres Ziel der Auslandsaufenthalte sei die Vermittlung von Werten in anderen Kulturkreisen.
In einer Podiumsdiskussion, die von der Schülerin Anna-Lena Haydn moderiert wurde, sprach sich Oberbürgermeister Andreas März auf die Frage zur Zukunft des Schulsystems dafür aus, dass es „Schule für alle“ geben müsse, „nicht jeder muss Abitur haben“. Daniel Artmann sieht gerade in der beruflichen Bildung einen wichtigen Beitrag zur Bereicherung der Gesellschaft. „Technologischer Fortschritt findet in den Betrieben statt“, so der Landtagsabgeordnete, und das dafür notwendige Wissen würden die Schulen vermitteln. Für Landrat Otto Lederer spielt das Bildungsangebot vor Ort eine wichtige Rolle. Dadurch würden zukünftige Fachkräfte im Landkreis gehalten. Die drei Politiker waren selbst nicht nur Musterschüler. Auf die Frage von Haydn, wer in der Schule einen Verweis bekommen hat, hoben alle die Hand.
Dass die Schule mehr ist als Unterricht, belegt laut Christine Leuthe der Förderverein, in dem sich auch viele Ehemalige und Lehrer engagieren. Sie bildeten eine Gemeinschaft, die über Beiträge, Spenden und Aktionen wie den Kuchenverkauf beim Tag der offenen Tür Geld einnehmen, mit dem sie die Schule unterstützen. „Mitglied werden kann jeder, der die berufliche Bildung fördern will“, so Leuthe. Was sie als Erfolgsrezept für die Berufsausbildung sehen, verrieten drei Schüler, die an der Festveranstaltung mitwirkten, den Besuchern. „Spaß an der Arbeit“ ist Haydn wichtig, die die Ausbildung zur Kinderpflegerin macht. „Es war schon mein Kindheitstraum, Kinderpflegerin zu werden“, erinnert sie sich. Das Interesse an der Sache ist für Julian Geigenberger wichtig. Als Automobilkaufmann „sollte man schon Interesse an Autos haben“. Wenn man ein Auto verkaufen will, müsse man nicht nur dessen Technik kennen, sondern auch allgemein die Zukunft der Antriebe einschätzen können, um im Gespräch mit Kunden glaubhaft zu sein. „Freude an der Arbeit“ ist für Thomas Breit wichtig. Er habe sich zuerst für Elektrotechnik interessiert, sich dann aber entschieden, die Ausbildung zum Steuerfachangestellten zu machen. Die Beschäftigung mit dem vielseitigen Steuerwesen mache ihm Spaß und sei auch im privaten Bereich nützlich.