Herz im Kopf

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Der Schweizer Theologe Pierre Stutz stellte auf einem Vortrag die Frage: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Menschen und einem Kopfsalat?“ Da niemand diese Frage beantworten konnte, lieferte er die Auflösung: „Beim Kopfsalat sitzt das Herz mitten im Kopf.“ Darin steckt eine tiefe Wahrheit. Wie oft erleben wir, dass bei uns Herz und Kopf sehr weit voneinander entfernt sind und unser Denken und unser Fühlen damit getrennte Wege gehen. Wir wissen mit dem Kopf, was richtig wäre, aber das Herz bleibt stumm. Da regt sich Mitgefühl, doch der Verstand hält uns zurück. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das am kommenden Sonntag in den Gottesdiensten vorgelesen wird, geht es genau darum. Da sehen ein Priester und sein Mitarbeiter den Verletzten am Straßenrand zwar, gehen aber trotzdem vorbei. Vielleicht haben sie gute Gründe, aber ihr Herz bleibt stumm. Der Samariter jedoch sieht und lässt sich von seinem Mitleid bewegen. Er handelt und bringt damit Kopf und Herz in Bewegung. Mich beschäftigt immer, dass der Samariter den Verletzten nur bis zur nächsten Herberge bringt und dann wieder seiner eigenen Wege geht. Er schafft es, bei aller tätigen Liebe die eigenen Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren. Er verausgabt sich nicht, bis er selber zusammenkracht, sondern baut mit seinem Verstand auf die Mithilfe anderer. Was wäre, wenn auch wir das Herz manchmal mitten in den Kopf setzen? Wenn wir mit dem Verstand erkennen, was gut ist, und mit dem Herzen den Mut fassen, danach zu handeln? Das Herz im Kopf könnte die Welt ein wenig verändern.

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