Traunstein – „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung, der Schlüssel, und Sie haben ihn nun in Ihrer Hand. Nutzen Sie ihn, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Die Bedeutung des erreichten Abschlusses betonte Oberstudiendirektor Andreas Gembala im Rahmen der Schulabschlussfeier in der Turnhalle der Staatlichen Berufsschule II Traunstein.
Insgesamt haben 371 Schüler aus 13 Berufen ihren Abschluss gemacht. Die Traumnote 1,0 wurde dabei 20-mal erreicht, weitere 37 Berufsschüler schafften einen Notendurchschnitt zwischen 1,1 und 1,5. Die 57 Schulbesten wurden vom neuen Landrat Andreas Danzer mit einem Staatspreis ausgezeichnet (siehe Info-Kasten). Unter den 371 Absolventen sind 21 Berufsintegrationsschüler (BIK), die den Mittelschulabschluss erhalten haben. 13 Schülern davon konnte das Deutschniveau B1 bestätigt werden, und sie konnten in den Arbeitsmarkt integriert werden. Darunter sind Friseure, Bankkaufleute, Rechtsanwaltsfachangestellte, Lageristen, Einzelhandelskaufleute, Mechatroniker, Pflegehelfer und Krankenschwestern.
Freude über junge
Menschen voller
Optimismus
Schulleiter Gembala freute es, dass er trotz einer angespannten Gemengelage in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Gesichter schaue, die Optimismus versprühten. „Heute gilt es, über unsere Freude zu sprechen und wohl auch über die Erleichterung darüber, dass Sie alle einen anspruchsvollen Abschluss erreicht haben. Sie haben einen bayerischen Abschluss erreicht und darauf können Sie besonders stolz sein!“
Die scheidenden qualifizierten Kaufleute und Fachangestellten hätten sich mit Umsicht, Geschick und Organisationstalent durch ihre duale Ausbildung manövriert. „Eine bemerkenswerte Leistung!“ Er bedankte sich bei dem Lehrerkollegium für das Engagement und lobte die gute Zusammenarbeit mit den Ausbildern in den Betrieben. Auch die Eltern und das familiäre Umfeld der Berufsschüler erhielten ein Lob für das Durchtragen in nicht immer einfachen Zeiten. Der Förderverein der Schule sei finanziell unterstützend tätig gewesen. In ihrem persönlichen „Lebenspuzzle“ seien die jungen Menschen selbst die Architekten. Es sei ihre Lebensaufgabe, aus ihren Teilen „ein einzigartiges Kunstwerk, ihr Leben, zu bauen“, so Gembala, der seine Gedanken bildlich-eindrucksvoll mit einem Holzpuzzle darlegte, bei dem sich auch der Rahmen den „veränderten Gegebenheiten des Lebens“ anpasste.
Landrat Andreas Danzer sprach von einem Freudentag: „Für euch, für uns, für die gesamte Schulfamilie.“ Er betonte, die Absolventen hätten „Durchhaltevermögen, Verlässlichkeit und eine gute Portion Rückgrat“ gezeigt. Der persönliche Meilenstein zeige aber auch, was an der Schule möglich sei. „Die Berufsschule II steht für Vielfalt, Praxisnähe und Zusammenhalt – von der Wirtschaft bis zur Verwaltung, vom Einzelhandel bis zur Berufsintegration“, so der kürzlich ins Amt gewählte Danzer und ergänzte: „Euer Abschluss ist kein Endpunkt, sondern ein neuer Anfang. Und den sollt ihr mit Stolz, mit Freude und mit Zuversicht angehen.“
„Sie haben ein bedeutendes Etappenziel in Ihrem Leben erreicht. Für Sie beginnt heute ein neuer Lebensabschnitt, denn Sie haben Ihre zwei- beziehungsweise dreijährige Ausbildung erfolgreich gemeistert. Das ist Ihnen mit viel Einsatz und Fleiß gelungen“, so der Traunsteiner Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Die Absolventen hätten dabei nicht nur die Schulbank gedrückt, sondern auch in ihrem Ausbildungsbetrieb ihr Wissen erfolgreich angewandt, vertieft und bewiesen, dass sie die Fähigkeiten und Talente mitbringen, um künftig im Berufsleben bestehen zu können. Das Erreichen dieses beruflichen Zieles sei hoch einzuschätzen: „Mit ihrem Abschlusszeugnis halten Sie ein Stück Zukunft in der Hand.“
Humorvoll betonte er, die Absolventen sollten es heute „krachen lassen“, die Stadt aber noch stehen lassen. Für den „Wiederaufbau“ würde der Stadtsäckel dann doch nicht reichen. Schülersprecherin Melina Binder ging auf die zwei bis drei Jahre Berufsschulzeit aus Sicht der Schüler ein und betonte, dass diese Zeit mehr als „nur“ Schule oder Ausbildung war. „Es war eine Zeit des Wachsens, der Herausforderungen, des Lernens- und vor allem des Zusammenhalts.“ Diese sei nicht immer nur leicht gewesen, sie seien mit Prüfungsstress, Berichtsheften auf den letzten Drücker und anderem manchmal auch an ihre Grenzen gekommen. Sie hätten aber gelernt, sich durchzubeißen. Sie bedankte sich stellvertretend für die gesamten Absolventen bei den Lehrern, die sie „nicht nur unterrichtet, sondern wirklich begleitet“ hätten. Ausbilder in den Betrieben hätten ihnen nicht nur beigebracht, wie man einen Beruf ausübt, sondern diesen auch lebt. Das familiäre Umfeld sei ein wichtiger Ruhepol für sie gewesen.
Die Freude bei der BIK-Klasse brachte Klassensprecher Benyamin Alizahi zum Ausdruck, auch wenn es viele nicht einfach hatten. „Der Weg bis hierhin war nicht leicht.“ Aber sie hätten den Wunsch gehabt, Deutsch zu lernen und sich eine neue Zukunft aufzubauen. Das Vertrauen der Schulfamilie habe auch dazu geführt, dass sie selbst Vertrauen in sich selbst gewonnen hätten. Manche wie er hätten einen Ausbildungsplatz gefunden. In einem von der Schule gemachten Film über das Brückenbauen wurde eindrucksvoll gezeigt, dass sich viele durch den Besuch der Klasse und durch das Erlernte eine Brücke für das zukünftige Leben bauen würden.
Klarer Auftrag an
die Absolventen:
„Lasst es krachen!“
Im Nachgang gab es mit anschließendem Sektempfang klassenweise die Abschlusszeugnisse und manch ein abgehender Berufsschüler dürfte sich analog des gesungenen David- Bowie-Liedes „Heroes“ in Anbetracht der erfolgreichen persönlichen Leistung wie ein Held gefühlt haben.
Musikalisch gekonnt umrahmt wurde die Abschlussfeier unter anderem vom Schulchor, an der Ziehharmonika von Maria Ramstetter, Vitus Lexhaller an der Harfe und Paulina Haßlberger mit „Heroes“. „Wir haben in unserer Schule immer eine Reihe von wirklichen Talenten“, stellte der stellvertretende Schulleiter Gunther Vigerl erfreut fest.
Vor der Abschlussfeier besuchte die Schulgemeinschaft einen gemeinsamen Gottesdienst.