Sabine Bauer von der Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof setzt auf Qualität und die Ausstrahlung ihrer Heimat. Foto re
Rosenheim – Die Region Rosenheim liegt im Urlaubstrend. Diesen Schluss erlauben die Zahlen, die nun die Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH (CAT) vorgelegt hat. Urlauber bescherten der Region im Jahr 2024 demnach einen Bruttoumsatz von 903,9 Millionen Euro, mehr als 150 Millionen Euro mehr als noch 2014 (742,5 Millionen). Damit ist die Region nah an der Umsatz-Milliarde.
Viele Tagesgäste
bringen Geld in Region
Von dem Geld, das Gäste da lassen, können mehr Menschen in der Region leben als noch vor zehn Jahren. Die Statistiker errechnen ein „touristisches Einkommen“ von 442,7 Millionen Euro. Bei einem angenommenen Jahreseinkommen von 36375 Euro schafft der Tourismus damit 12170 Menschen Lebensunterhalt. 11820 Menschen waren es noch 2014.
Allerdings sind diese letzten Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Auch deswegen, weil nur wenige Menschen ausschließlich im Tourismus und für Urlauber arbeiten. Eine Verkäuferin im Einzelhandel wird sicherlich auch Einheimische bedienen, ein Friseur in einem Tourismus-Hotspot sicher auch Mitbürgern aus dem Dorf den Pony kürzen. Viel läuft im Tourismus in Oberbayern auch über Nebenerwerbslandwirte. Es ist also nicht allein der Urlaub anderer Menschen, der Einwohnern in der Umgebung von Rosenheim den Lebensunterhalt ermöglicht.
Tagesgäste waren mit 426 Millionen Euro überraschend stark am Umsatz beteiligt. „Wir sind eine starke Ausflugsregion“, sagt CAT-Geschäftsführerin Christina Pfaffinger. Die Zahlen bestätigten, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor nach wie vor von „wichtiger Bedeutung für die Stadt und den Landkreis Rosenheim ist“. Um so froher ist sie, dass sich die düsteren Prognosen der ersten Corona-Monate nicht erfüllt haben.
CAT-Marketing-Chefin Corinna Raab fühlt sich bestätigt und hebt die Kombination von Vielfalt des Angebots und Information hervor. Mit Werbung für die Region habe man die Aufmerksamkeit nochmals steigern können, und zwar als Ausflugs- und Ferienziel für das gesamte Jahr.
Gute Infrastruktur,
schöne Natur
Gründe für die Beliebtheit der Region gibt es viele. Da wäre die Kultur, da wären die Berge, da wäre der Chiemsee. Und da sind die schmucken Dörfer und Städte, etwa Rosenheim und Wasserburg. Noch dazu gilt die Region als sicher, sauber und mit guter Infrastruktur ausgestattet. Dazu zählt Christina Pfaffinger auch Bergbahnen. Es ist also alles da, um im Geschäft mit Urlaub und Freizeit zu wachsen. Das aber soll mit Vorsicht geschehen. Die Region werde weiter auf „Qualitätstourismus“ setzen, sagte Pfaffinger dem OVB. „Wir wollen die Wertschöpfung weiter steigern.“ Allerdings nicht um jeden Preis, zur Region passe „sanfter Tourismus“ am besten.
Das findet auch Sabine Bauer, Vorsitzende der Anbietergemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein. 70 Prozent der Anbieter in ihrer Gemeinschaft – 104 Anbieter mit 360 Zimmern oder Ferienwohnungen – seien zertifiziert, sagt sie. Das bedeutet für Landwirte, die Betten und Ferienwohnungen anbieten, sich alle drei Jahre vom Deutschen Tourismusverband auf Service, Ausstattung und Angebot prüfen und mit Sternen versehen zu lassen.
Freilich sei das Angebot für Urlauber mit Aufwand und Kosten verbunden. Allerdings sieht Sabine Bauer darin eher Investitionen. Schließlich sei „Urlaub auf dem Bauernhof“ oftmals ein zweites Standbein, „viele könnten die Landwirtschaft sonst gar nicht erhalten“, sagt sie. Da über Bauern in Medien und Öffentlichkeit außerdem oft abfällig oder belehrend gesprochen werde, sei der gute Kontakt zu Übernachtungsgästen auch Werbung in eigener Sache. „Da sind wir fast so etwas wie Markenbotschafter.“
„Wir spüren
enormen Kostendruck“
Grundsätzlich zufrieden mit dem guten Trend für die Region Rosenheim zeigt sich auch Theresa Albrecht vom Hotel „Post“ in Rohrdorf, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. Die Aufwärtsentwicklung komme auch in Gastronomie und Hotellerie an, aber wohl nicht in dem Ausmaß wie in anderen Bereichen.
„Wir spüren enormen Kostendruck“, sagt sie. „Wir zahlen höhere Löhne, zahlen mehr für Lebensmittel und vieles andere. Doch die Zimmerpreise steigen nicht im selben Maße.“ Auch der Fachkräftemangel und Abgaben setzten ihre Branche unter Druck.
Die Dehoga-Kreisvorsitzende wünscht sich nicht mehr Vorschriften, aber doch mehr Engagement des Staates. Nicht nur, was eine Senkung der Mehrwertsteuer betrifft, sondern auch, was unlautere Konkurrenz angeht. Nicht jeder Airbnb-Anbieter einer Ferienwohnung sei registriert und zahle Steuern, das mangelnde Interesse der Behörden versteht Theresa Albrecht nicht. „Das ist offenbar ein heißes Eisen“, sagt sie.